Weibliche (Re)Produktion in der Kunst

 

Seminar

DDr. Madalina Diaconu

1. Termin: Dienstag, 9.03.2004, 10.00-11.30 Uhr

Seminarraum Kultur- und Geistesgeschichte (FJK 5/9)

Der catwalk als survival der Kantschen Ästhetik? Das Parfum als weibliche Kunst? The male gaze (Akt, Pornographie, Fetischismus); (männlicher) statischer Voyeurismus vs. (weiblicher) performativer Exhibitionis-mus; m/w Narzißmus; die Kreativität von Künstlerpaaren; Gewalt; die mechanische Braut; die Hysterikerin als männliche Konstruktion; ästhetische Anorexie etc.
solche Fragen einer genderorientierten Kunsttheorie sollen zum Gegenstand des Seminars (gemacht) werden.

Die Kunst ist weiblich, der Künstler männlich oder bloß die von Männern geschriebene art history? Wenn das Wesen der Weiblichkeit Kreativität ist, so war sie bisher auf die natürliche Fruchtbarkeit beschränkt. An der künstlerischen Genialität des Mannes beteiligte sich die Frau nur indirekt: als Muse (oder femme fatale), als mothering the mind - Prinzip (Mutter, Haus-frau, Schwester) oder als das schlechthin Andere des Geistes (das unschuldige Kind). Warum aber bezeichnet/bezichtigt man dann die Künstler als weiblich? Weiblichkeit und Männlichkeit wurden zu metaphysischen Prinzipien und einander stereotyp gegenübergestellt als Natur/Kultur, Mate-rie/Form, Sinne/Vernunft, Leib/Geist, Horizontale/Vertikale etc.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Geschlechterdifferenz natürlich ist oder ob sie sozial, historisch und kulturell durch Erkenntnisdiskurse und Machtverh?ltnisse konstruiert wird. Die (m/w) Identität konstituiert sich erst durch Bilder. Darin verbirgt sich sowohl die Gefahr einer Identitätskrise als auch die Chance, in der Kunst Geschlechterrollen spielerisch-subversiv zu dekonstruieren und mit ihnen zu experimentieren. -
Im Seminar werden demnach systematisch Theorien der feministischen Kunstgeschichte, Ästhetik und Philosophie im angelsächsischen Raum, in Frankreich und Deutschland diskutiert und anhand konkreter Beispiele aus der Kunst überprüft.
Schlie§lich soll nach den Schwierigkeiten der feministischen Kunsttheorie gefragt werden in einer Zeit, wo die ganze Kultur verweiblicht: Fruchtbarkeit (Produktivität) und Selbstinszenierung sind zu allgemeinen Bedingungen für den Erfolg von Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen beiderlei Geschlechts geworden. -

Anmerkungen
freie Themenwahl der zu besprechenden Aspekte und Kunstbeispiele wird begrüßt
Prüfungsmodus: aktive Teilnahme am Seminar und Referat oder eigenes Werk