Kunst als Aktivismus im öffentlichen Raum.

Ästhetische Interventionen seit den 1960er Jahren

 

Dr. Anna Schober

1.    Termin: Donnerstag, 11.03.2004, 15.00-16.30 Uhr

Seminarraum Kultur- und Geistesgeschichte

 

Vorbereitende Literatur: Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer (Hg.), Visuelle Kultur. Körper, Räume, Medien, Wien 2003.

Katja Diefenbach und Katja Eydel, Belgrad Interviews. Yugoslawien nach Nato-Angriff und 15 Jahren nationalistischem Populismus. Gespräche, Texte, Fotos, Berlin 2000.

 

Die Stadträume der Moderne und Postmoderne sind von Bildern unterschiedlichster Art bevölkert: Riesige Plakatflächen, phantasievoll gestaltete Geschäftsauslagen, Flugblätter, Illustriertenzeitschriften, Kino, Leuchtreklamen und bald kamen dann auch Bildschirme, Fernseher, Videos, Leuchtbilder, bewegte Info-screens, etc. hinzu. In dieses Gemenge von unterschiedlichen Bildern, die sowohl von der (Stadt-) Regierung oder den großen Korporationen als auch von den Nutzern und Nutzerinnen von Stadt ausgeschickt werden, intervenieren immer wieder Künstlerkollektive und neue soziale Bewegungen mit aufsehenerregenden, spektakulären, manchmal parodistischen manchmal aber auch dramatisch aufgeladenen ästhetischen Interventionen. Zu den Gruppen, die einen solchen ästhetischen Aktivismus praktizieren, zählen Künstlerkollektive wie die Dadaisten, die Situationisten oder das Wiener Expanded Cinema, aber auch aber auch neue soziale Bewegungen wie die "Stadtindianerbewegung", die sich um das Radio Alice im Bologna der 70er Jahre formiert hatte oder jene oppositionellen Protestbewegungen, die im Cinema Rex im Belgrad der 1990er Jahre Aufnahme gefunden haben. Zudem haben immer wieder auch (Jugend-)Subkulturen wie die Schlurfs, die Punks, die Skinheads oder die Hooligans aber auch Gay- und Lesbengruppen mit einem solchen aufsehenerregenden ästhetischen Aktivismus eine je gegebene visuelle Kultur irritiert und attackiert. Die Lehrveralstaltung geht solchen sichtbaren Auseinandersetzungen in öffentlichen Räumen des 20. Jahrhunderts anhand von ausgew?hlten Fallbeispielen nach und verortet sie im Kontext einer Kulturgeschichte von Stadt und von (Selbst-)Wahrnehmung. Dabei wird die je dominante Ästhetik der Stadt und ihrer Ding- und Bildwelten gleichermassen untersucht wie jene der Interventionen der verschiedensten sich auflehnenden Bewegungen und Gruppen. Die Lehrveranstaltung hat das Ziel, an verschiedenste Methoden zur Analyse solcher bildlichen und dinglichen Quellen schrittweise heranzuföhren und sie för eine gemeinsame Diskussion aufzubereiten. Dabei wird daran gearbeitet, die Instumentarien von Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Geschichte und Politikwissenschaft miteinander zu verknüpfen.