Die Österreicher als „Theater-Nation“

Proseminar
Dr. Ilija Dürhammer

Freitag, 12:30-14:00 Uhr,
Seminarraum der Kultur- und Geistesgeschichte

Ähnlich wie das Bild der „Musik-“ bestimmt das der „Theater-Nation“ das Selbstverständnis der Österreicher (wobei die Zusammenführung beider Komponenten im Musiktheater von besonderer Bedeutung ist). Vor allem seit dem 18. Jahrhundert, als man der theaterfeindlichen Maria Theresia unter dem legendären Satz „Spectakel muß halt sein!“ die Gründung eines Hofburgtheaters abrang, konnte sich Österreich (oder zumindest Wien) zu einem deutschsprachigen Zentrum der Theaterkunst entwickeln. Die eigene Tradition des barocken Stegreiftheaters, das sich über die Hanswurstiaden bis zur Alt-Wiener Volkskomödie Raimunds und Nestroys sowie der klassischen Variante durch Grillparzer bis Hofmannsthal und Schnitzler (psychologisch und weltanschaulich) weiterentwickeln konnte, bestimmte oder begleitete zumindest die Entwicklung des Landes.

Auch in der Gegenwart prägen österreichische Theaterschaffende und Autoren (wie Handke, Turrini, Streeruwitz und Jelinek) die deutschsprachige Theaterwelt. Thomas Bernhard war allerdings möglicherweise der letzte, dem es gelang, verschiedenste Bevölkerungsgruppen im großen Stil zu einer wirklichen künstlerisch-weltanschaulichen Auseinandersetzung zu bewegen.

Ist das Theater heute wieder auf dem Weg, sich auf jeweils nur einen den beiden extremen Pole, reine Unterhaltung oder ausschließliche Intellektualisierung, zu beschränken? Was muß Theater können, um beide Bereiche zu verbinden? Oder soll es das gar nicht ... ?