Vom Musikland zu Starmania und Musikantenstadl
Österreichischer Lokalpatriotismus und Internationalisierung

Proseminar, 2 Stunden, Dr. Ilija Dürhammer, Freitag, 12:30-14:00 Uhr, Seminarraum Kultur- und Geistesgeschichte

 

Österreichs (zumindest touristisch gepflegtes) Selbst- und Außenverständnis ist (letztlich in Ermangelung seiner politischen Bedeutung seit dem Ende seiner Monarchie) bekanntlicherweise das einer Kultur- zumeist aber das einer Musik-Nation. Tatsächlich meint das natürlich nicht vorrangig die Bedeutung gegenwärtiger musikalischer Produktion, sondern versteht sich letztlich fast selbstverständlich als eine museale Kunstform, und selbst darin übertrifft die Vermarktung gehobener Unterhaltungsmusik (Operetten-Sommerabend und vor allem, im Neujahrskonzert alle Rekorde übertreffend, die Wiener Walzerseligkeit) bereits die österreichische künstlerische Musiktradition des 19. und besonders des 20. Jahrhunderts.

Längst hat die Unterhaltungsmusik den eigentlichen Siegeszug angetreten, und die musikalische Gegenwart wird in In- und Ausland (wenn überhaupt) nur über die sogenannte volkstümliche Musik (fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum) oder jüngst durch Talentshows (fast ausschließlich im eigenen Land) im großen Stil rezipiert. Selbst weitgehend autonome Entwicklungen der gehobenen Unterhaltungsmusik (wie die der Liedermacher) werden dadurch fast vollkommen überlagert.

Das Phänomen dieser kulturellen Entwicklung steht zur Diskussion, die Frage nach internationaler Anpassung und der Rückzug in ländliche Schein-Folklore soll in ihrem zeitgeschichtlichen Gesamtzusammenhang betrachtet werden.