Profil der Abteilung für Kulturwissenschaften

Mit Beginn des Wintersemesters 2012/13 wurden die bisherige Abteilung für Kultur- und Geistesgeschichte und die bisherige Abteilung für Kunst- und Kultursoziologie zu einer neuen Abteilung Kulturwissenschaften zusammengeführt.

Die wissenschaftliche Ausrichtung der Abteilung Kulturwissenschaften bezieht sich auf eine gesellschaftliche Bestimmung von Kultur, in der diese als Ausdruck bestimmter Lebensweisen und Verhaltensmuster erscheint. Demgemäß geht es in der Abteilung um die Präsentation, Diskussion und Analyse kultureller Prozesse und Entwicklungen in ihrem jeweiligen sozialen und historischen Kontext.

Gegenstand des Interesses ist die gesamte gelebte Praxis der Menschen unter je verschiedenen sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen. Primäre Bezugspunkte sind dabei die von einer bestimmten Lebensweise verkörperten Ideen, Normen und Werte, sowie deren, sich mit den Veränderungen dieser Lebensweisen ändernden Bedeutungen. Diese drücken sich nicht nur in Kunst, Wissenschaft, Bildung und Erziehung aus, sondern auch in vielen (anderen) formellen und informellen Institutionen, vor allem aber im ganz gewöhnlichen Verhalten, also auch in jenem Bereich, der als Alltag oder Lebenswelt bezeichnet werden kann. Die Beschreibung und kritische Analyse dieser Lebenswelten in ihren konkreten gesellschaftlichen Kontexten und in ihrer historischen Entwicklung ist Aufgabe der Abteilung.

Von anderen kulturwissenschaftlichen Ansätzen unterscheidet sich der der Abteilung durch eine spezifische Zugangsweise, einen besonderen Blick, mit dem er sich scheinbar noch so disparaten Themen/Gegenständen nähert, durch die spezielle Berücksichtigung bestimmter Aspekte: die Analyse kulturaler Momente sozialer, politischer und technologischer Entwicklungen und Innovationen, d.h. deren Auswirkung auf Verhaltensweisen, Werthaltungen, Normen, Beziehungen und Lebensweisen der betroffenen Subjekte.
Grundgelegt ist dem ein Verständnis von Kultur als Ort der Auseinandersetzung; dieses Verständnis ist verbunden mit dem Interesse, die Untersuchung der symbolischen Formen und Bedeutungen mit einer kritischen Untersuchung von Macht zu kombinieren. Entgegen einer neopositivistischen Beliebigkeit kulturalistischer Analysen oder einer essentialistischen Betrachtungsweise wird entlang der Analyse kultureller Praxen des Menschen zentral die Frage gestellt, wem bzw. welchen Gruppen in der Gesellschaft Stimme verliehen wird und wessen Stimme zum Verstummen gebracht wird.

Für die Forschung und Lehre an der Abteilung bedeutet dies eine dezidiert interdisziplinäre Ausrichtung; diese und die internationale Dimension werden durch die regelmäßige Einbindung von Gastprofessuren betont und unterstützt. Zugleich wird in Kooperation mit anderen Abteilungen des Instituts und mit außeruniversitären Einrichtungen durch Vorträge und Workshops auf die aktuelle politische Problemstellungen und Fragen reagiert und eingewirkt.

Die Lehrangebote betreffen alle Studien an der Universität für angewandte Kunst und die Betreuung von DiplomandInnen sowie DissertantInnen, die interdisziplinär arbeiten. Das Ziel ist, exemplarisch, immer anhand konkreter Fragestellungen, die Grundlagen kulturwissenschaftlicher Arbeit bis zur selbstständigen Forschung zu vermitteln.

 

Created: 20 November 2012