Kultur- und Geistesgeschichte – Vorlesung:
Kunst und Kultur im 20. Jahrhundert: Theorien und Lebenswelten, Alltag und Diskurse [SS 2008]

Mittwoch, 8.30-9.15, Hörsaal 2 (Hauptgebäude),
1. Termin: 12. März 2008, 8.30
Bei dieser ersten Veranstaltung wird der genaue Themen- und Terminplan ausgegeben und besprochen, was geboten und erwartet wird.

Hubert-Christian Ehalt
Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung / Abteilung Kultur- und Geistesgeschichte
Tel: 71133-6500   Fax: 71133-6509  


Kunst und Kultur sind am Beginn des 21. Jahrhunderts wichtige Entscheidungs-, Aktions- und Gestaltungsfelder im politischen, im gesellschaftlichen und im wirtschaftlichen Handeln, im Leben der Individuen ebenso wie in dem der kleinen und großen sozialen Einheiten. Kunst und Kultur haben in vielfältigen begrifflichen Zusammenhängen und Konnotationen Bedeutung und wachsende Konjunktur. Kultur bezeichnet und betrifft die Bewältigung, Aneignung und Gestaltung der Welt, Kunst die professionelle ästhetische, reflexive und kritische Auseinandersetzung mit dieser Welt, im impliziten oder expliziten Auftrag dieser Gesellschaft.

Aus jenem esoterischen alltags- und lebensfernen elitären Raum, der die Kunst im 20. Jahrhundert immer auch war, wurde in den letzten Jahrzehnten ein Feld, aus dem zentrale Impulse für die Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommen und erwartet werden. Das hat mehrere Gründe. Innovation und Kreativität wurden als wesentliche Triebkräfte wirtschaftlicher Prosperität identifiziert. Die Gestalter und Manager des immer mehr nach globalen Spielregeln funktionierenden wirtschaftlichen Lebens möchten die schöpferischen Potentiale der Kunst und der Künstlerinnen und Künstler, die sich über lange Zeiträume in prima vista funktionsfreien Räumen entwickeln und entfalten konnten, für ihre Zwecke einer florierenden Wirtschaft und der Profitmaximierung nützen.

Kunst und Kultur waren und sind jene Theorie- und Lebensräume, in denen der Kosmos, die Welt, die Beziehungen und das Leben der einzelnen gedacht, interpretiert, nachgestaltet, neuentworfen und gelebt wird: Kunst, avancierte Konzepte mit großen offenen Fragen und vielen Geheimnissen (also eine Gegenwelt zu den ständig präsentierten Eindeutigkeiten); Kultur, das sind die alltäglichen Beziehungen und Interpretationen – Körper, Liebe, Sexualität, Beziehungen, Wohnen und sich einrichten, unterwegs sein, etc.

In beiden Bereichen geht es um Innovation, um Ästhetik, um Wohlbefinden, um Konventionen und deren Bruch, um die Ausbildung von Traditionen und die Entwicklung von Neuem.

In Kunst und Kultur ging und geht es nicht nur um Ideen und die Wünsche und Vorstellungen von Individuen. Kunst und Kultur waren und sind wichtige Figuren auf den Strategiefeldern der Macht.

In meiner Vorlesung setze ich mich theoretisch, begrifflich, historisch, genetisch, empirisch, narrativ und exemplarisch mit diesem Feld von Kunst und Kultur auseinander. Es geht um zentrale Fragen der Gesellschaftsgeschichte, der Geschichte des Alltags, der Geschichte der Schönheit, der Geschichte der kritischen Auseinandersetzung mit Schönheit, der Geschichte, wie Menschen sich die Welt kritisch, kreativ, affirmativ, zyklisch und antizyklisch einrichteten. Begriffe werden hinterfragt, Institutionen werden analysiert, Rollenbilder dargestellt, ... Die Hörerinnen und Hörer sollen einen Eindruck gewinnen, was gespielt wurde und wird auf den Bühnen der Kunst, der Kultur und des Alltags.


Created 2008-02-29