Kultur- und Geistesgeschichte – Vorlesung:
Wiener Klassik als Agentur der Aufklärung [SS 2010]

Mittwoch, 8.30-9.15 Uhr, Hauptgebäude, Hörsaal 2

Konversatorium zur Vorlesung „Wiener Klassik als Agentur der Aufklärung“ – gilt als Proseminar [SS 2010]
Mittwoch, im Anschluss an die Vorlesung, 9:30-ca.12:00 Uhr; Hauptgebäude, Hörsaal 2
Blocktermine: 05. Mai 2010, 12. Mai 2010, 19. Mai 2010, 26. Mai 2010, 2. Juni 2010

Manfred Wagner
Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung / Abteilung Kultur- und Geistesgeschichte
Tel: 71133-6500   Fax: 71133-6509   email: manfred.wagner@uni-ak.ac.at


Vorlesung

Bislang ist die Aufklärung generell als philosophische und teilweise literarische Dimension wahrgenommen worden. Die österreichische Aufklärung kommt in der internationalen Literatur nahezu überhaupt nicht vor, obwohl sie möglicherweise weit mehr als in anderen Nationen Konsequenzen für das große Reich der Habsburger hatte. Dabei ist auffallend, dass die österreichische Aufklärung nur partiell im philosophischen und literarischen Kontext punktete, die großen Leistungen aber in der Musik, der Architektur und den Naturwissenschaften geliefert wurden. Dies hat nicht nur mit der künstlerisch wichtigen Vorbereitungszeit der Gegenreformation zu tun, sondern auch mit der Verheiratung Franz Stephan von Lothringens mit Maria Theresia. Er war es, der die naturwissenschaftliche Aufklärung nach Österreich brachte und sie mit eigenen Beiträgen aus Ökonomie und Verwaltung ergänzte. Maria Theresia sowie ihr Sohn Josef II. waren die Schutzherren der ästhetischen Aufklärung, die, richtig verstanden, ein Äquivalent zu den anderen Dimensionen der Zeit einbrachte.

Letztlich ist die Wiener Klassik mit den Protagonisten Haydn, Mozart und am Ende Beethoven und Schubert eine so perfekte ästhetische Umsetzung der Aufklärungsideologie geworden, dass sie nicht nur ein neues Schichtenbewusstsein ansprach, sondern auch bis heute in ihrer von den meisten Rezipienten gar nicht verstandenen Botschaftsebene Welterfolg hatte. Die Zusammenhänge und gezielte Beauftragung sowie auch die Etablierung einer bürgerlichen Musikkultur müssen so auch in einem geistesgeschichtlichen Kontext verstanden werden. Dieses Verständnis wird theoretisch und praktisch (an wenigen Beispielen) demonstriert.


Konversatorium zur Vorlesung (siehe oben)

Es wird ein Konversatorium zur Vorlesung abgehalten, das den Studenten ermöglicht, inzwischen aufgelaufene Fragen zu diskutieren und bei entsprechender Vertiefung ein Zeugnis für ein Proseminar zu bekommen. Inhalt dieser Lehrveranstaltung sind an sich die aufgeworfenen Fragen der Studenten, wobei aber wie üblich nahezu alle Fragestellungen bezüglich Studium, Gesellschaft und Kulturgeschichte behandelt werden können.


Created 2010-02-15