Kultur- und Geistesgeschichte - Seminar:
Kunst als Religion (Hölderlin – Wagner – Nietzsche – Mahler – George ...) [SS 2002]
Donnerstag, 13.00-14.30 Uhr, Seminarraum Kulturgeschichte (Franz-Josefs-Kai 5/1/9)

Ilija Dürhammer
Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften - Kunstpädagogik / Kultur- und Geistesgeschichte
Tel: 71133-6502   Fax: 71133-6509   email: Ilija.Duerhammer@uni-ak.ac.at


Die Verbindungen von Kunst und Religion sind so mannigfaltig, die gegenseitige (Be-)Nützung ist so alt wie Kunst und Religion selbst. Die Kunst, die das Religiöse propagiert, und die Religion, die als wichtiger Gegenstand jeder Kunstform dient, wirken in der Hochkultur bis zur Aufklärung – und in anderen Formen (und Kulturen) bis heute weiter.

Was aber besonders ab dem 19. Jahrhundert verstärkt und als eigenes entsteht, ist die Ablöse von Institutionellem und dem Religiösen an sich: die Kunst transportiert nicht nur Religion, sie wird geradezu selbst zur Religion. Die Kunst wird zu ihrem eigenen Gegenstand, säkularisiert traditionelle Religionsformen und versucht sich selbst zu transzendieren. Die Kunst wird dadurch zum Religionsersatz, wird per se Gegenstand der Verehrung; der Künstler übernimmt in der Folge die Rolle der Heiligen, mitunter sogar des Messias. Der aus der Antike (bei Horaz) übernommene Seher-Dichter poeta vates kehrt ab dem 18. Jahrhundert wieder – und im Gesamtkunstwerk à la Richard Wagner wird das Theater schließlich zum Weihefestspiel.


Created 2002-03-11