Kultur- und Geistesgeschichte - Proseminar:
Österreichische Poesie des 20. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Tradition [WS 2002/03]
Mittwoch, 10:30-12:00, Seminarraum Kulturgeschichte (Franz-Josefs-Kai 5/1/9)

Ilija Dürhammer
Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften - Kunstpädagogik / Kultur- und Geistesgeschichte
phone: 0664-5212969,
email: ilija.duerhammer@chello.at


Der Anteil österreichischer Lyriker innerhalb der deutschsprachigen Literatur im 20. Jahrhundert ist nicht nur groß, sondern auch bedeutend. Da sie oft als hochsensible Seismographen für kulturelle Veränderungen und ideologische Neubewertungen fungieren, sind ihre Fokussierungen besonders spannend. Durch die Verkleinerung der eigenen »Welt« durch den Untergang der Monarchie in der ersten Hälfte des Jahrhunderts wurde die gleichzeitige Säkularisation als zentraleuropäische Entwicklung noch schwerer aufgenommen als im benachbarten Deutschland. Die Reaktion war bei vielen der Rückzug auf traditionelle Formen, die die entstandene Leere füllen sollten. Mit Ausnahme von Rilke und Trakl, die je eigene Wege fanden, flüchteten sie in diese dichterischen Nischen (Hofmannsthal, Zweig, Werfel, Wildgans, Weinheber usw.).
Nach dem 2. Weltkrieg aber war die Reaktion der Schreckensherrschaft das völlige Mißtrauen an der Überlieferung, sodaß die Wiener Gruppe (Konrad Bayer, H. C. Artmann, Gerhard Rühm auch Ernst Jandl ...) ihre je eigenen Wege in der Wertediskussion einbrachten.
Neben einer Einführung in die kulturgeschichtliche Situation soll vor allem anhand von konkreten poetischen Texten der jeweilige Bezug zu Tradition und Welt-Neubetrachtung erschlossen werden.


Created 2002-09-20, Last Update 200210-07