Fink-Belgin, Andrea.
Ian Hamilton Finlay – Werk/Sprache/Reflexion.
Wien: Universität für angewandte Kunst Wien – Diss.phil. 2007

 
[Publikation: Fink-Belgin, Andrea (2008). Ian Hamilton Finlay. Werk – Sprache – Reflexion (= Angewandte Kulturwissenschaften Wien. 10). Wien: Edition PRAESENS; ISBN 978-3-7069-0487-2, 90 S., brosch. Verlagsinfo | www.amazon.de; Inhalt & Vorwort PDF]


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Kurzfassung

Thema der Arbeit ist das Werk des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay (1925–2006). Die Werkgenese beginnt mit literarischen Werken. Ausgehend von der Untersuchung einiger exemplarisch ausgewählter Hörspiele, Kurzgeschichten sowie Lyrik wird die Verwurzelung von Finlays Werk in die Kultur Schottlands und seine Orientierung an zeitgenössischen Entwicklungen im Bereich der Lyrik dargestellt. Diese frühen literarischen Äußerungen des häufig als Konzept-Art Künstler bezeichneten, bilden die Basis für das sich in der Folge, ab den 1960er Jahren, auffächernde Œuvre.

Die besonders wichtige Rolle der Poesie sowie die viel gerühmte Komplexität seines Werkes werden in der Literatur zwar immer wieder betont, wurden aber bis dato noch nicht weiter erklärt. Um nun diese oft zitierte Vielschichtigkeit zu strukturieren und die Bedeutung des Poesie und der Sprache im Werk Finlays weiter klären zu können, wird das Gesamtwerke des Künstlers in 5 Themenbereiche gegliedert:

  1. Antikenrezeption
  2. Wassermythologie und Nautik
  3. Geschichtsrezeption
  4. Kunstrezeption sowie
  5. der Garten „Little Sparta“ in Schottland

Exemplarisch werden ausgesuchte Werke dieser Themengruppen vorgestellt und auf die Verwendung von Zitaten, poetischen Elementen sowie sprachlichen Finessen untersucht.

Deutlich wird in der Analyse dieser einzelnen Werk, dass neben den unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten immer wieder auch Sprache und ihre poetische Vielschichtigkeit zum Thema gemacht werden. Finlays besonderes Interesse gilt der Darstellung dieser Vielschichtigkeit, um dadurch – was die These der Arbeit ist — die Verführbarkeit der Sprache aufzuzeigen.

Finlays Werk versteht sich somit als eine geistesgeschichtliche Setzung. Er will aufklären – nicht aber im Sinne der klassischen Aufklärung, die im „terreur“ der Französischen Revolution gipfelte. Worte und Formen sind so vielfältig interpretierbar, dass sie nur in einem komplex erdachten – auf dieses Thema reflektierenden Tun – nicht offen und damit verschiedentlich auslegbar sind. Nur in der Darstellung ihrer Vielschichtigkeit ist Sprache nicht mehr vieldeutig, sondern vermag es, sich bewusst des geistesgeschichtlichen Kanons der westlichen Welt zu bedienen und damit vielschichtige Aussagen zu treffen. Damit wird Finlay mit und in seiner Kunst zu einer jener gesellschaftlichen Instanzen, die in der heutigen Welt so rar geworden sind.


Abstract

Ian Hamilton Finlay – Work/language/reflection

The subject of this thesis is the work of the Scottish artist Ian Hamilton Finlay (1925-2006). It takes the literary work as its starting point. Finlay’s roots in the culture of Scotland and his focus on contemporary developments in the field of poetry are revealed through an analysis of some chosen audio books, short stories and poems. Often associated with conceptual art, these early literary works paved the way for the varied output which unfolded since the 1960s.

Although the important role of poetry and the complexity of his work are again and again stressed in literature, they have never been thoroughly explained. To structure this complexity and to reveal the importance of poetry and language in Finlay’s work, the complete oeuvre will be divided into five subject areas:

  1. the reception of antiquity
  2. water mythology and nautical science
  3. reception of history
  4. reception of art
  5. the garden ‘Little Sparta’ in Scotland

Examples from these groups will be discussed and the use of quotations, poetical elements and linguistic finesses will be examined.

By analysing these works it is clear that language and its poetical complexity regularly becomes the subject, whatever the emphasis of the content. Finlay’s special interest is the representation of complexity in order to reveal the seductiveness of language.

Finlay’s work understands itself as a conflation of the history of ideas and the history of political thought. He will enlighten – but not in the sense of the classical Enlightenment, which culminated in the Terror of the French Revolution.

Words and forms can easily be interpreted in so many different ways that, paradoxically, it is only through a close attention to specific meanings that a truly versatile interpretation can be reached. By revealing the complexity of language and the use of the Western canon a multi-facetted statement can be made. In this way, Finlay becomes a rarity in today’s world.


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Copyright © 2007/2009 Andrea Fink-Belgin | Created 2008-07-07; Last Update: 2009-03-03