Hung, So-Jeng.
Die Entwicklung der zeitgenössischen erotischen Malerei in Taiwan [Chinese Tradition and the Development of the Erotic Art].
Wien: Universität für angewandte Kunst Wien – Diss.phil. 2003


Kurzfassung | Abstract

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Kurzfassung

Der wesentliche Inhalt meiner Dissertation ist, die Entwicklung der zeitgenössischen erotischen Malerei in Taiwan zu analysieren, die Unterschiede der Ansichten über die Erotik von Künstlern und der Bevölkerung zu untersuchen, und die Konflikte zwischen den gegenseitigen Einflüssen der erotischen Kunst und der klassisch-chinesischen Kulturtraditionen des „Konfuzianismus“, „Taoismus“ und „Buddhismus“ herauszuarbeiten. In dieser Arbeit verwende ich den Standpunkt und Methoden der Kunstsoziologie, um die auf das Thema bezogenen Literaturquellen zu analysieren und die Ausstellung „Sex, Erotik und Kunst“ als Forschungsgegenstand zu recherchieren. Die Ideen der Künstler, die Reaktion der Bevölkerung auf die Ausstellung, der Einfluß der traditionellen chinesischen Wertungsanschauung und der spezifisch taiwanesische erotische Blickwinkel werden zum besseren Verständnis aufgezeigt.

In meiner Studie habe ich zeigen können, dass bis heute die klassisch-chinesischen Kulturgedanken und Wertungsanschauung noch immer in den Herzen der Taiwanesen verwurzelt sind und weiterhin die Gedanken über erotische Kunst beeinflussen. Im traditionellen Patriarchat haben die Chinesen zum weiblichen Körper eine eigenartige Beziehung und Wertvorstellung; über den entblößten weiblichen Körper zu sprechen, Begierde auszudrücken und Gespräche über sexuelle Themen werden als Zuwiderhandlung gegen die traditionelle Ethik betrachtet. Solche konservativen Gedanken sind schon im Lauf der Geschichte ein Part der chinesischen künstlerischen Wertungsanschauung geworden, weswegen die erotische Kunst bis jetzt ein kritisches Thema bei Auseinandersetzungen ist.

Als Folge der Öffnung der Gesellschaft nimmt die Vielseitigkeit der Kultur zu.

Die Beeinflussung durch westliche Kunstströmungen und der Aufschwung der feministischen Ideologie resultiert darin, dass die Künstler um ihre Schaffungsfreiheit zu kämpfen beginnen, und mehr und mehr den weiblichen oder männlichen Körper als künstlerisches Sujet ihrer Werke verwenden. Aber die Taiwanesen beurteilen Kunst immer noch unter traditionellen Wertungskriterien.

Über erotische Kunst haben Künstler der beiden Geschlechter verschiedene künstlerische Ansichten. Männliche Künstler bevorzugen die begehrliche Ausdrucksweise, die körperliche Wiedergabe, die Schönheit der Körperhaltung, die Widerspiegelung der Gesellschaftsrealität und die Verwendung der traditionellen mythischen Ausdrucksweise. Künstlerinnen hingegen versuchen, die Ungerechtigkeit bei der Beurteilung beider Geschlechter zu widerspiegeln und feministische Ideen zu präsentieren. Sie stellen oft die Schwangerschaft dar und stellen sich gegen die Tradition.

In meiner Studie wird dargelegt, dass, obwohl Künstler aus künstlerischem Blickwinkel ihre erotischen Kunstwerke schaffen, die breite Bevölkerung die Arbeiten tendenziell nach traditionellen und gesellschaftlichen Wertungskriterien beurteilen. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Konflikte der Anschauungen zwischen Bevölkerung und Künstler aus folgenden Bestandteilen zusammensetzen: Das kollektive Bewußtsein versus Individualismus, die traditionelle Anschauung versus der modernen Anschauung, Patriarchat versus feministische Ideologie, sexuelle Ausdrucksweise versus Lebensfortpflanzung, Voyeurismus versus gesellschaftliche Realität, Pornographie versus Kunst, das gesellschaftliche Gesetz versus Freiheit des Schaffens. Auch in Zukunft wird das gesellschaftliche Kollektivbewußtsein die Hauptströmung in der taiwanesischen Gesellschaft bleiben. Die traditionelle Ideologie hat im kollektiven öffentlichen Bereich ein Wertungskriterium zur Beurteilung der Kunst entwickelt. Aber im künstlerisch-akademischen Bereich wird die Ausdrucksweise der erotischen Kunst aus dem Individualismus heraus begriffen. In nächster Zukunft wird die Trennungslinie zwischen laienhafter Öffentlichkeit und dem akademisch-künstlerischen Bereich deutlich heraustreten. Die Beurteilung und das Wertungskriterium der Kunst von Künstler und Bevölkerung wird immer unterschiedlich bleiben; dabei ist es nahezu unmöglich, dass die breite Bevölkerung gezwungen werden kann, die individuellen Ideen der Künstler zu akzeptieren.

Generell steht die erotische Kunst, wenn sie sich mit dem Thema „Sexualität“ beschäftigt, im Widerspruch zur traditionellen Ethik, Moral und körperlichen Anschauung. Unter dem gesellschaftlichen Kollektivbewußtsein verursachen Überschreitungen der traditionell-konservativen Gedanken und individualistische Anschauungen ununterbrochene Kontroversen. Als Fazit meiner Forschung lade ich die taiwanesische Gesellschaft ein, durch vielseitigere Kunsterziehung die traditionellen Standpunkte zu überdenken und mit weniger traditionellen Gedanken und mehr künstlerischen Positionen die erotische Kunst zu beurteilen. In nächster Zukunft werden taiwanesische Künstler einen immer freieren Schaffungsrahmen haben, und ihre erotische Kunstwerke werden in der breiten Bevölkerung immer mehr akzeptiert.


Abstract

The aims of this research are to analyze the development of erotic art and to explore the social perspectives of pornography, and to study the contradiction between erotic art to the traditional Confucianism, Taoism, and Buddhism in Taiwan. The artistic sociology perspective is to examine the exhibition of “Eroticism in contemporary Taiwanese Art”. In order to demonstrate the influences of Chinese traditional values and to understand the various aspects of Taiwanese erotic arts, we will study the Taiwanese artists” creations of ideas and its audience reactions.

The results will show Chinese culture, tradition, and value embedded in Taiwanese minds will affect Taiwanese artistic ideological trend. In a traditional patriarchal society, Chinese people attached a unique value to female body and its exposure. Thus sexual desires and discussion on sex are strongly discouraged. These conservative concepts and manners are inherited so that it becomes a part of artistic ideological value; as a result, the erotic art frequently caused controversies.

The social liberalization after the denunciation of martial law, and culture diversity influenced by the western sexual artistic concepts became dramatically liberal in Taiwan. The importance of feminism has led to artists in Taiwan to open up, strive for more creative freedom and adopt female bodies as subjects. However, Taiwanese audiences still tend to evaluate these arts by using traditional values and ethics.

In terms of erotic art, there are different perspectives between male and female. Male artists attach more importance on sexual passions, reproductions, body beauty, reflections on the society and applying the understanding of Chinese mythology on creative work. Female artists tend to criticize the gender inequality in the society, promote feminism and show female birthing ability and anti-tradition. However, both male and female artists do agree with the aesthetic perception of the body beauty. The result indicates that in the future, diversified artistic subjects, material and erotic arts will have more freedom in Taiwan and artists will have stronger personal artistic styles.

These artists have strong belief over their creative ideas and convey their arts based on artistic perceptions, but the public tend to follow a conventional value or assessment when viewing these sexual art works. The results demonstrate that the contradictions between the general public and artists (public vs. artist) on following perspectives: collectivism vs. individualism; traditional ideology vs. modern concept; patriarchy vs. feminism; passion vs. birthing; voyeur vs. social reflection; pornography vs. artistic creations and social taboo vs. creative freedom. Social collective ideology will still dominate the mainstream and traditional ideological values will still be embedded in Taiwanese minds as standards and used to valuate Taiwanese arts. In the professional field of art, the passion representations of individualism do allow more room for artistic creations. However, it is impossible to compel all social members to accept the liberal concept of personal artistic freedom. As a result, the judgment and evaluation between the collective public and professional artists will be more diversified.

The conclusion is, the erotic art involving sexual issues are against the traditional ethics and the perceptions of body. Under the collective social ideology, the conservative and traditional values surmount the individual view point of erotica. This will lead to the emergence of continuous controversies. The research also suggests that due to the wide range of artistic educations in Taiwan, people will be released from traditional ideologies and acquires less conservative perspective to evaluate erotic arts from an artist point of view. In most cases, artists in Taiwan will be given a larger room to perform their creative ideas and win greater public support than they ever did before.


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