Manfred Wagner

Hitlers ästhetische Prägungen


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Paper/Vortrag:
"Hitlers ästhetische Prägungen"
Conference: Die „österreichische“ nationalsozialistische Ästhetik, 2002/03/04-16, proarte (2002/03/06, Kunsthalle Wien, project space)

Publication:
„Hitlers ästhetische Prägungen“.
In: Ilija Dürhammer / Pia Janke (Hg.). Die „österreichische“ nationalsozialistische Ästhetik. Böhlau Verlag, Wien 2003, pp. 49-65


Auch wenn der Terminus Prägung in der aktuellen Entwicklungspsychologie längst durch Begriffe wie Sozialisationstheorien oder Entwicklungsaufgaben ersetzt wurde – vermutlich weil man dem mechanistischen Habitus des Wortes ausweichen wollte –, kann er in unserem Zusammenhang durchaus als janusköpfige Metapher für Hitler verwendet werden: Einerseits das Phänomen der individuellen ästhetischen Sozialisation und andererseits der autoritativen Durchsetzung einer individuellen Vorstellungskraft von der Ästhetik eines politischen und militärischen Führers. Dauerte der Aneignungsprozeß der ästhetischen Anschauung exakt bis zu einem Zeitpunkt, der für einen „normalen“ Studenten mit dem Studienabschluß erreicht worden wäre,[1] so umfaßte der aktive nachweisbare Gestaltungswille eine nur unwesentlich kürzere Zeitspanne, womit der Verlauf der Prägung eines Subjekts mit jenem der Prägung eines Objekts eine weitere Parallele ergibt. Auffallend ist auch, daß die Zeit von der Geburt Hitlers zurück bis zum Auftauchen ihn maßgeblich beeinflussender Geistesströme und –haltungen in der vollen Konzentrierung annähernd die gleichen sechs Jahrzehnte umfaßt,[2] die seit seinem Tod bisher vergangen sind und nach wie vor kein Ende bestimmter Konsequenzen von ihm getroffener Maßnahmen in Zentraleuropa abzusehen sind. Beide Phänomene, die Selbstprägung und die Objektprägung, der von ihm beherrschten Massen ist an ästhetischen Phänomenen leichter, wenn auch vom Handwerkszeug des Historikers aus gesehen ungenauer und verschwommener abzulesen als viele andere Tatbestände, die sich auf genaue Datierungen, Texte, Entscheidungen, also punktuell festzumachende Quellen berufen dürfen. Daß dies so ist, hat nicht nur mit dem Phänomen der Ästhetik an sich zu tun, die als Erscheinungsform der dinglich wahrnehmbaren Welt einem permanenten „status processendi“ unterworfen ist, sondern hängt auch von der Fähigkeit des jeweiligen Beobachters ab, spezifische Korrelationen herstellen und glaubhaft argumentieren zu können, auch dann, wenn, wie im Falle des Untersuchungsgegenstandes, die Vernebelungsstrategie der eigenen Vergangenheit notwendig zum Konzept eines unbeschädigten Führermythos zählte.[3] Tatsächlich mischen sich in der autobiographischen Skizze in Hitlers massenagitatorischer Schrift „Mein Kampf“[4] Richtigkeiten und Unwahrheiten derart gekonnt, daß der Quellencharakter bezüglich der eigenen Sozialisation nahezu zum Rätselspiel verkommt. Dazu kommt, daß es dem Diktator kraft eigener Machtfülle gegeben war, nicht nur unliebsame Zeitgenossen wie seinen Freund Reinhold Janisch aus dem Obdachlosenasyl in Meidling aus dem Weg räumen zu lassen, als auch die Ahnenforschung, die mit Teilwahrheiten und auch Teilunwahrheiten (bezüglich der jüdischen Abstammung beispielsweise[5]) durchmischt war, mehrmals überarbeiten, respektive bei der ersten Möglichkeit im August 1938 mit der Etablierung des größten Truppenübungsplatzes Döllersheim bei Zwettl die Heimatorte seiner Vorfahren schleifen zu lassen.[6] Was auch in die renommiertesten Hitlermonographien diesbezüglich als Irrtümer einging, ist dank Brigitte Hamanns „Hitlers Wien“[7] korrigiert, wenn auch nicht überall zur Kenntnis genommen worden. Auch die Schriften von Hitlers Linzer Jugendfreund August Kubizek, der 1953 seine Erinnerungen „Adolf Hitler. Ein Jugendfreund“ herausgab, wozu er schon 1942 von Martin Bormann persönlich aufgefordert worden war, weil er für das Parteiarchiv der NSDAP die Erinnerungen verfaßt haben wollte, ist schreibmaschinenschriftlich nur in seiner ersten Fassung, die ca. 150 Druckseiten ergeben würde, glaubwürdig. Die spätere Fassung mit doppelt soviel Seiten hat nicht nur eine Reihe von Irrtümern aufzuweisen, sondern legt auch den Verdacht nahe, daß Kubizek seine eigene Ideologie respektive Erwartungshaltungen mitprojizierte und damit seine Quelle fragwürdiger wurde.[8]

Die zweite Quelle von „Hitlers Jugend“, eine Studie des Bibliothekars der Oberösterreichischen Landesregierung, Dr. Franz Jetzinger, übernahm zwar die Informationen aus zweiter Hand, allerdings fand er eine Reihe bislang unbekannter Dokumente zur früheren Hitlerbiographie.[9] Auch wenn sich heute die meisten Historiker auf diese Quellen beziehen, enthält sie zwei schwerwiegende Fehler, die allerdings die Forschungslandschaft stark beeinflußten. Einerseits die Aussage, Hitler hätte seine Mutter am Sterbebett allein gelassen, was über Umwege sogar Erich Fromm zu seiner Theorie anregte, Hitler hätte an „Nekrophilie“ gelitten und andererseits die Vermutung, Hitler wäre schon 18jährig in den Genuß der verzinsten Summe seines väterlichen Erbteils gekommen, was realiter aber erst 1913 der Fall war. Hitler war also, entgegen der in der Literatur oft geäußerten Meinung, keineswegs wohlhabend, als er als Student nach Wien ging.[10]

Auch wenn, gleichgültig aus welchen Gründen immer, Hitler die genaue Biographie seiner Kindheit und seiner Jugend durch Quellenvernichtung verhinderte, sind doch einige begründete Vermutungen zu konstatieren, die vermutlich wegen der üblichen Mißachtung ästhetischer Prägungsfaktoren in der Literatur kaum vorkommen. So ist Joachims Fests Feststellung „für die Entwicklung Adolfs blieb die kleine Grenzstadt Braunau allerdings bedeutungslos“[11] fragwürdig. Denn zweifellos hat auch der kleine Junge, als viertes Kind seiner Eltern in Braunau geboren, den unmittelbaren Eindruck des für die Architektur des Ortes nahezu monströsen Stadtturms[12] gesehen, geradezu täglich, weil ja das Haus in unmittelbarer Nähe war, sicher auch die Stadtpfarrkirche St. Stephan, eine dreischiffige gotische Staffelkirche mit übermächtigen Figuren und gewiß auch den Festungscharakter der Stadt wahrgenommen, der ja schon im Mittelalter angelegt war. Er hat die Sprache, jenes merkwürdige Mittelding aus bayrisch und österreichisch angenommen,[13] auch wenn er selbst feststellte: „Mein Deutsch der Jugendzeit war der Dialekt, den auch Niederbayern spricht; ich vermochte ihn weder zu vergessen, noch den Wiener Jargon zu lernen.“[14] Vermutlich wird das kleine Kind wie nahezu jedes, das eine Sprache durch die Sprachmelodie erfährt und instinktiv imitiert, die Nuancen mit den Wohnortswechseln mitgemacht haben, die ihn von Braunau zwischen 1892 und 1895 nach Passau führen, dann von 1895 bis 1898 nach Haarfeld in der Gemeinde Fischelham nahe Lambach in Oberösterreich und Ende 1898 nach Leonding bei Linz, von wo aus er zwei Jahre später die Linzer Realschule besuchte. Diese Ortswechsel erklären nicht nur den Faktor einer bestimmten Mischsprachlichkeit, auch wenn das viele nicht zu hören vermögen,[15] sondern auch eine ungewöhnlich vielfältige Information an visuellen Eindrücken, die ihre Wirkungen auf das wie üblich aufnahmehungrige und neugierige Kind nicht verfehlten.[16] Passau mit Dom, Riesenorgel, viele andere Kirchen und die gewaltige Donaubrücke waren ein Phänomen, daß vermutlich prägendere aber der Besuch der zweiten und dritten Klasse der Klosterschule des alten Benediktinerstiftes Lambach, das Hitler trotz seiner späteren antikirchlichen Haltung sehr stark beeindruckt haben muß. Und dort ist er nicht nur Schüler – nebenbei bemerkt einer der besten –, sondern auch Sängerknabe an der Sängerknabenschule und Ministrant. Daran erinnert er sich, natürlich umschrieben, sogar in seiner Massenpropagandaschrift: Er habe Gelegenheit gehabt, „mich oft und oft am feierlichen Prunke, der äußerst glanzvollen kirchlichen Feste zu berauschen.“[17] Hier also, während zwei langer Jahre im Leben eines Volksschulkindes hieß die Sozialisation Raumerfahrung und Ritualerfahrung und nicht nur von der Anschauung her, sondern auch von der Teilnahme.

Mir haben oft maßgebende Regisseure des „deutschen Regietheaters“ in Privatgesprächen versichert, daß die Grundlage für ihre Berufstätigkeit zweifellos in ihrem Ministrantendasein vorformuliert worden wäre.[18] Tatsächlich kann wahrscheinlich nur jemand ermessen, der selbst in diesem Alter Ministrant war, was es bedeutet, wenn ein kleines Kind am glanzvollsten Ritus, den die katholische Kirche seit Jahrhunderten (bis 1964) aufzubieten hatte, unmittelbar partizipieren kann. Das Kind erlebt quasi am eigenen Körper die Spannung von profaner Vorbereitung in der Sakristei und realem Auftritt in der Kirche. Die rituellen Gegenstände sind einerseits magische unergründliche Geheimnisse, andererseits gewöhnlich zu bewegende Objekte. Die Zeremonien sind festgelegte Abläufe, bedürfen allerdings wegen ihrer Kompliziertheit der Anleitung durch einen erfahrenen Professionisten, der mit strenger und genauer Beobachtung auf die Einhaltungen von Bewegungen, Gesten oder Texten achtet. Die Kleidung zum rituellen Ablauf ähnelt in der Grundstruktur jener der Priester, Äbte, Bischöfe bis hin zum Papst, mit denen man auch die Bewegungen, Gesten und Worte teilt. Dies ist für ein kleines Kind die unmittelbare Partizipation an einem Hoheitsakt, wo nicht sosehr die Persönlichkeits- und Ausdrucksweise des Kindes gefragt sind, sondern die Nachahmung der Führung. Dieser Elevationsakt verursacht Herzklopfen und Aufregung, wobei die Sicherheit ausschließlich in der Einbettung in ein großes gemeinsames Tun vorhanden ist. Andererseits sieht das Kind ohne Zweifel den Wandel von Zivil draußen zur Hochfeierlichkeit drinnen, lernt es Fehler und Pannen kaschieren und es lernt, daß Anschauung und Synchronität unverzichtbare Disziplinen der Gemeinsamkeit sind. Schreiten – eine bestimmte Art gleichmäßigen und langsamen Ganges – ist die Norm der Fortbewegung und damit physisches Begreifen von Distanzen und künstlicher Ordnung symmetrischer Provenienz und der stimmigen Einfügung in eine Kubatur, die dem Kleinen so überdimensioniert erscheinen muß, daß er sein Herzklopfen und seine Gefühlsbewegungen als Resultat des Verhältnisses von sich und der Größe, genormt durch ein feststehendes Ritual, das die einzige Sicherheit in der Verlorenheit der Dimension bietet, versteht.

Zweifellos muß das Kind Hitler eine starke räumliche Begabung gehabt haben, die sich später auch in anderen Resultaten ausdrückt, zweifellos auch ein starkes Sensorium für die imponierende Verhältnismäßigkeit, weil Hitler diese Überdimensionierung des Raumes niemals mehr ablegen wird, weder in seiner Malerei noch in seinen Architekturvorstellungen noch in seinen Wunschträumen der Manifestation eines nicht enden sollenden Dritten Reiches.[19]

Ist schon der Ministrant per se wegen der Nähe zum Zelebranten in das sängerische Geschehen eingebunden, weil von seinem wichtigeren Partner im Geiste, dem zelebrierenden Priester, die Initialzündungen des Gesanges ausgingen, so verstärkte sich dieses Phänomen zweifellos in der Sängerknabenschule. Sängerknaben lernen nämlich nicht nur eine dem Militärdienst vergleichbare autoritäre Struktur kennen, die in jeder Musikausübung mit einer größeren Menge durch einen zentralen Leiter zwangsläufig gegeben ist. Sie müssen sich nicht nur mit geradezu neurotischer Genauigkeit an die Hilfszeichen von Notenköpfen halten, sondern auch an die Abwechslung von verschiedenen Stimmführungen (im Wortsinn!) respektive die Zwischenräume zwischen den Tönen, genannt Pausen, beachten. Der gregorianische Choral, Grundlage jedes benediktinischen Klosterlebens, weil nahezu ununterbrochen über Tag und Nacht hin angestimmt, ist zweifellos die idealste Vorschule für wirkungsvolle Sprachlichkeit, was Hebungen und Senkungen und die dramaturgisch so wichtige Implikation von Pausen betrifft. Dazu kommt die integrale und unmittelbare Verschmelzung mit dem Raumgefühl, weil dieses nicht nur den Nachhall produziert, sondern auch die Abstände zwischen Altar und Chorempore oder anderen Choraufstellungen determiniert. Diese beiden Faktoren, Ritual und Rhetorik, die später durch verschiedene Erlebnisse noch affirmiert werden sollten,[20] blieben zentrale Grundlagen der hitlerschen Machtausübung, sie gehen ohne Zweifel auf jene nur zwei, aber intensiven Jahre in Lambach zurück. Dort regierte nämlich seit 1892 Abt Coelestin Baumgartner als Typus eines Kirchenfürsten, der es verstand, die Regeln des heiligen Benedikt mit jener weltlicher Macht zu verknüpfen. Er war nämlich nicht nur Mitglied des Reichstages und des oberösterreichischen Landtages sowie des Gemeinderates von Lambach, sondern auch Sparkassenfunktionär und ging in die Geschichte seiner Institution vor allem als „bedeutsam in der Bemühung um die Aufrechterhaltung der Disziplin und einer guten Ausbildung seiner Kleriker“[21] ein. Man muß annehmen, daß diese Perfektion und auch Machtfülle des Klosteroberen seine Wirkung tat. Tatsächlich überlegte ja Hitler kurzfristig Geistlicher zu werden,[22] immerhin ein Beruf, denn einige seiner Schulkollegen später in die Tat umsetzten und wie Balduin Wiesmayer als späterer Abt von Wilnering bei Linz auch Karriere machten.

Die Volksschule in Leonding ab Ende 1898 beschert dem kleinen Hitler so etwas wie Vorstadterfahrungen. „Krieg spielen“ ist das Lieblingsthema,[23] auf „Ratten schießen“ mit dem Flobertgewehr der Lieblingssport und die Zeitungsinformation starke Motivation. Statt „Räuber und Gendarm“ wird „Buren und Engländer“ gespielt, wobei die schon seit Jahrzehnten übliche deutschnationale Propaganda ohnehin – wie könnte es anders sein – auf Seiten der Buren stehen muß.[24] Das begabt geschilderte Kind[25] war gierig nach Lesestoff und fand doch Zuhause nur ein Werk über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71, also alles in allem eine recht einseitige Lektüre.[26]

Der Vater entschied, daß der Kleine Beamter werden sollte und schickte ihn deswegen in die Linzer Realschule, die in einem ca. einstündigen Fußweg zu erreichen war. Des kleinen Hitler Verhalten dort ist von Verweigerung geprägt. Manche Lehrer halten ihn zwar noch für begabt, aber bezeichnen ihn als undiszipliniert, was sich in Betragens- und Fleißnoten äußert, während Mathematik und Naturgeschichte zu negativen Zensuren führen.[27] Die Schule interessierte Hitler wahrscheinlich auch gar nicht, möglicherweise, weil es die falsche ist, er vom Berufswunsch seines Vaters nichts wissen will. Aber hier prägen ihn die politischen Auseinandersetzungen, die auf mehreren Fronten ablaufen: zwischen Habsburgertreuen und Deutschnationalen, Germanen und Slawen, wobei wie schon längst überall bemerkbar, die Deutschnationalen das Übergewicht bilden.[28] Hitler sucht die Nähe des Verwalters der Schulbibliothek, Dr. Leopold Poetsch, der Geographie und Geschichte unterrichtet, ein hervorragender Rhetoriker ist, Lichtbildervorträge über die deutsche Geschichte hält, aber trotzdem „österreichischer“ Patriot bleiben will.[29]

Hitler aber radikalisiert sich in völkischem Nationalismus altdeutscher schönerianischer Prägung.[30] Möglicherweise trug die gerade in Linz aktuelle Tschechendebatte (aus Überfremdungsgründen) dazu wesentlich bei.[31] Weder der Tod des Vaters (1903) noch die wegen schlechter Noten erzwungene Übersiedlung in die Steyrsche Realschule und auch nicht die Firmung 1904 ändern etwas an seinen Schulfrustrationen.

Nur eine vermeintliche Lungenentzündung,[32] für die sich überhaupt keine Belege finden lassen, schafft die Befreiung vom Zwang. Hitler gibt die Schule auf.

Was nun? – Er spielt eine Art Student, vier Jahre lang, die er später als die „glücklichsten Tage, die mir nahezu als ein schöner Traum erschienen“, bezeichnet. Er habe bislang „als Muttersöhnchen in der Hohlheit des gemächlichen Lebens in weichen Daunen gelebt.“[33] Nun neue Hauptinteressen: Zeitungen und Theater. Das Interesse ist nahezu zwangsläufig eine Konsequenz der Erfahrungen aus Stift Lambach. Nur geht es jetzt um profane Rituale, nach Themen und Formen gegliedert, manchmal mit Musik, manchmal ohne, oft tragisch, gelegentlich lustig. Seine typische Lieblingsoper ist „Rienzi, der letzte der Tribunen“ von Richard Wagner, eine Figur, mit der sich der junge Künstleraspirant nahezu identifizierte. Er tat damit nichts anderes, als den Nachvollzug jenes Schöpfungsaktes, dem auch Richard Wagner unterlegen war, der sich ebenfalls mit Rienzi der Titelfigur identifiziert hatte, indem er sich gelegentlich auch selbst „Volkstribun“ nannte oder indem er beispielsweise die Schlüsse gemäß der politischen Situation zweimal nach der Uraufführung veränderte. Die Grundkonzeption der Oper ist totalitär, ergibt ein mythisches Sendungsbewußtsein und eine ständige intensive Beschwörung der Staatsidee, damals Rom, und jene geradezu sozial abhängige Korrelation zu einem neuen Publikum, das alles, was man je in der Oper erlebt hatte, auf einmal sehen wollte: hemmungslose Nachahmung, Genußsucht, Konsumwut, Ausleben der Leidenschaften, die Akzeptanz des Verbrechens, wenn es nur einer politisch einsichtigen Zielsetzung dient, die Doppelexistenz der Akteure, auch des Rienzi, in öffentlicher und privater Funktion, die fast inzestuöse Familiennähe, das Ausufern der Ideen des Titelhelden bis hin zum Realitätsverlust, die religiöse Vorzeigeinnerlichkeit, Esoterik in den Friedensboten, Gregorianik, Triumphgeheul, Schlachtenlärm und Waffengetöse, Meuchelmord und Gewalt. All das stand plötzlich gleichberechtigt nebeneinander. Niemals in der Operngeschichte vorher gab es eine derartige Anhäufung von Extremlagen in hohen und tiefen Stimmregionen, niemals derartige Kuriosa in den Stimmführungen – ein Spektakel, eigentlich heute nur vergleichbar mit vielen großen Produktionen hollywoodscher Manier, die, wie derzeit „Der Herr der Ringe“, die Sehnsüchte von Massen kompensieren. Trivialität ist ebenso präsent wie Metaphysik, Tröster gibt es gleich mehrere, Gebete mit Orgelton und Flüche mit Trommelschlägen, Liebe als Wahnsinn, Schmerz in der Harfe, Gegengefechte und Musketensalven, fahnenschwingende Soldateska und einfältiger Jungfrauenchor, Glaubenskämpfe und Teufelsherrschaft, Gewissen und Sexualnot,[34] alles war dabei und damit eine Analogie zu jener ungefilterten Rezeption des jeweiligen Lesestoffes des Jungen, die zur instinktiven Inbesitznahme einer kruden Ideenwelt, wie sie sich auch dann später in Hitlers „Mein Kampf“ niederschlagen sollte, führte.

Aber jetzt hatte der junge Schüler seine Lernkurse an den Lehrinhalten der Kleinstadt, dem Caféhaus, dem Theater, dem Musealverein und der Bücherei des Volksbildungswesen gewählt, sein Ich als Gestalter entdeckt, der nicht mehr nur mitlief, wie ehemals in der Kirche, sondern die Welt neu erfand, schon auch noch brüllend in alter Wagnermanier, aber schon auch nahezu befreit, manisch zeichnend. Was? Die Umgestaltung der Umgebung nach seinem Willen, Theaterbauten, Prunkvillen, Museen und jene Brücke, die er 35 Jahre später als Führer legitimiert errichten sollte. Diesen Künstlerhabitus nahm der 16/17jährige als Rolle an, störte die Familie und den Kostgänger beim Essen durch plötzliche Genieeinfälle, bummelte täglich auf der Linzer Promenade, geziert mit einem schwarzen „Spazierstöckchen mit zierlichem Elfenbeingriff und gekleidet in einen Pfeffer- und Salzanzug mit untadeliger Bügelfalte, mit von der Mutter sorgfältig gebügelten weißen Hemden und schwarzen Glacéhandschuhen.“ Theater, Rollenspiel, Maske, Gestaltung von anderem, aber auch von sich selbst, ist nun zur Übung geworden.[35]

Der Weg zum Künstler ist frei. Daher auf nach Wien. Abgesehen von der Frustration, die Hitler dort erwartet, weil er mehr oder weniger zufällig und kaum wegen schlechterer Leistungen als seine Mitbewerber die Aufnahmeprüfung an die Akademie der bildenden Künste nicht schafft,[36] finden seine realen Studienjahre auf den Straßen der Habsburgermetropole statt, die er typischerweise nach sechs Jahren, also 24jährig verläßt. Sie sind Vertiefung des einmal Erfahrenen, Ausnahme sind die niemals zuvor gesehenen Massenkonstellationen, die er aus der Nähe der Habsburgerherrschaft und der erstarkenden Bewegung der Sozialisten nun vor Ort lernen kann. Auch wenn er Wien nicht mochte, weil er eigentlich Habsburg und den Adel haßte, lernen konnte er von ihr. Nur nicht ein reales Studium absolvieren. Wenn man ihn schon als Maler nicht annahm und ihm zum Architekten die nötigen Vorbildungen fehlten, änderte es nichts daran, daß er aber vieles sehen, hören, sinnlich aufnehmen und für seine Zwecke transformieren konnte. Davon zeugen seine künstlerischen Arbeiten, die er im Geiste Rudolf von Alts als Kopien oder Aquarell schnell produziert. Sein Wienbild ist jenes der Klischees, weniger der natürlichen Anschauung, abzulesen am Parlament, Stephansdom, Kärntnertor-Theater, die Minoriten-, Michaeler-, Alser- und Karlskirche, die Kirche Maria am Gestade, das Rathaus, die alte Ferdinandsbrücke, der Heiligenkreuzer Hof, das Fischertor, das Dreilauferhaus, die Hofburg. Was er nicht kann und nicht lernt, ist reales Naturstudium: den Menschen, den Akt – und menschliche Proportionen im Verhältnis zur Größe der Häuser darzustellen. Wann immer er in diesen Kategorien denken muß, wird es zum Plakat, zur Werbung.

Seine Architekturzeichnungen zeugen von architektonischem Wollen. Symmetrie und Ordnung heißen seine Parameter, Einzelelemente haben sich dem Ganzen unterzuordnen, Bewegung existiert ausschließlich in der geraden Linie und im abgezirkelt freien Durchgang, Dekoration ist verpönt. Letztlich bezieht er sich irgendwie auf Semper und später auf Schinkel. Alle Entwürfe zeigen Hitlers Fähigkeit einer vor seinem Auge lebendigen Grundrißvorstellung, er sieht, auch wenn er vor den Dingen steht, quasi die Dinge von oben, eine Begabung, die ihm möglicherweise bis 1942 auch seine militärischen Siege sichert.[37] Aber auch hier geht es um Wirkung. Keine Entwicklung der Form, kein Dynamikwirkung, eine auf Eindruck konzipierte Kulisse ist das Ziel. Hitlers Reklamebilder und Propagandaarbeiten, gleichgültig ob für Haar, Brillantine, für ein Bettfederngeschäft oder für „Teddy, das Schweißpuder“ zeigen unmißverständlich, daß das Marketing des Produktes, die Projektion auf eine Erwartung, ihm wichtiger war als der Inhaltsbezug.

Er fühlte sich selbst auch nur, als was er sich gerade ausgab. Einmal als Maler, dann als Schriftsteller, kurze Zeit sogar als Komponist, wenn er versuchte, Wagners verworfenes Opernsujets „Wieland, der Schmied“ zu komponieren, wie immer kritiklos gegen sich selbst, aber zeitgeistig synchron: auch Egon Schiele verfaßte Gedichte, Schönberg malte, Kokoschka und Kubin versuchten sich als Schriftsteller.[38]

In der Oper blieb Hitler bei seinem Idol Wagner und Wagner-Ähnlichem wie d’Alberts „Tiefland.“ Und ob der Jude Mahler dirigierte oder der konservative Weingartner war ihm noch egal, solange die Bühnenbilder von Alfred Roller, den er überaus verehrte, geschaffen waren.[39]

Was das Sozialgefüge der Stadt betraf, nahm er alles wahr, was er vorfand. Durchaus nicht nur die Ringstraße, sondern auch das Arbeiterviertel Meidling. Nicht nur die hochbürgerliche Innenstadt, sondern auch die Dirnen und Kneipen am Spittelberg, nicht nur die demagogische Wortgewalt des Bürgermeisters Karl Lueger mit seinem kalkulierten Antisemitismus, sondern auch die Schreiduelle im Parlament. Besonders faszinierten ihn die Massenveranstaltungen in der über Zwei-Millionen-Stadt: 1908 der Huldigungsfestzug zum 60. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs, wovon sich Reste in Hitlers Geburtstagsfestzug von 1939 wiederfinden, nicht nur das große Begräbnis von Karl Lueger 1910 und das Zeremoniell des XXIII. Eucharistischen Weltkongresses im September 1912, sondern auch die Demonstration der 200.000 im Oktober 1910 gegen Wucher und Hungersnot in „Würde und Disziplin“ aufmarschiert oder 1911 die Hungerrevolte vom 17. September, die in der Unzufriedenheit vor allem junger unorganisierter Arbeiter explodiert war. Von jedem dieser Ereignisse lernte Hitler oder vertiefte, was er schon kannte. Und allem entnahm er Futter für seine Symbolwelt, die er nach der Wirkungseffizienz reihte und ohne viel ideologischen Federlesens in seine eklektische Sammlung vereinnahmte. Wegen der Eklektik, die sich in seinen Literaturbezügen meistens mit Zitaten auswirkt, fällt kaum auf, daß ihn Literatur an sich nicht interessiert, er sie auch in ihrem Kontext nicht braucht, sondern sich – nur dies allerdings gründlich –, die deutschbezogenen Stellen merkt.

Als Hitler in Wien genug gesammelt hatte – inzwischen war er wohl auch erwachsen geworden – verließ er die Stadt und das Land, um Karriere anderswo zu machen und erst 14 Jahre später „seine Heimat heimzuholen.“

Sollte man Hitlers ästhetische Sozialisation etwas ordnen müssen, so ergeben sich als gemeinsame Klammer über visuelle und audielle Eindrücke, soziales Erleben, Persönlichkeitsverehrung, Massenbewunderung, Fetischisierung und Geographiegläubigkeit, eine Art lückenlos und rigide eingehaltene Orientierung nach Wirkung, die völlige Vernachlässigung der Produktionsbedingungen des Prozeßhaften und jedwedes ästhetischen Selbstwerts. Verdrängt wird von Anfang an alles, was nach Irritation, Tiefgründigkeit oder „Fremdem“[40] schmeckt. Hitler fehlt völlig – konform mit seinen Schulwechseln und auch Schulabbrüchen – die Fähigkeit einer systematischen Durchdringung eines Sachverhaltes, also etwas, was Lehrabschluß, Maturität oder gar Universitätsstudium gewöhnlich auszumachen scheinen. Seine Sozialisation ist zweifellos die eines hochemotionalisierten Halbgebildeten, dessen Ehrgeiz zu wissen, reales Wissen negiert und dessen Konzentration sich auf die Priorität des selbst vor jeder anderen Information verläßt. Der junge Hitler lernte in der Praxis, niemals wirklich in der Theorie, er rezipiert gefühlsmäßig ohne lange darüber nachzudenken, läßt sich emotional gefangennehmen ohne zu hinterfragen und ist damit nicht nur den Zufällen und den Wirkungsgraden der Angebote ausgeliefert, sondern auch der kritiklosen Bestätigung eines einmal – und wahrscheinlich auch oft zufällig empfundenen oder getroffenen Vorurteils. Daß trotzdem seine Palette der ästhetischen Erfahrungen von heute aus gesehen keine kleine war und durchaus viele Kategorien streifte, die uns nach wie vor beeindrucken, spricht für ein bestimmtes höheres künstlerisches Begabungspotential einerseits, wobei zweifellos die Visualisation und darin wieder das Raumerfassen dominierte, andererseits für ein soziales Aufsteigersyndrom, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bei vielen Sozialisationen später prominenter Österreicher beobachtet werden kann.[41] Da dieses Phänomen einer prägenden, aber auch wirkungsmächtigen ästhetischen Sozialisation zweifellos zum Bereich der emotionalen Intelligenz zählt, muß man sich zwangsläufig auf Vermutungen und Rückschlüsse beziehen, sofern keine andere Quellenlage gegeben ist. Allerdings gibt es auch in der Ästhetik Kausalitäten oder vermutete Begründungen, die bei genügend Kenntnis des Handwerkszeuges durchaus mit jedem anderen quellengesicherten Wahrheitsgehalt Schritt halten können, den in der Regel von Historikern anerkannte Quellen verbreiten. Und immerhin sind auch Zeichnungen, Bilder, Architekturentwürfe und solche des Design, von Ritualen und Ausstellungsprogrammen relativ unumstößliche Zeugen einer persönlichen Handschrift.

„In den ersten sechs Jahren seiner zwölfjährigen Herrschaft überraschte Hitler Freund und Feind mit einer Reihe von Leistungen, die ihm vorher fast niemand zugetraut hätte,“[42] schreibt der nach wie vor scharfsinnigste Beobachter des Hitlerphänomens Sebastian Haffner in seinen „Anmerkungen zu Hitler“ für die er von der Stadt Düsseldorf den Heinrich Heine-Preis 1978 zuerkannt bekam. Er nennt unter ihnen nicht nur Hitlers demagogische Redegewalt, sondern auch sein Organisationstalent und die Fähigkeit, sich leistungsfähige Machtapparate zu schaffen und sie zu beherrschen. Hitler fuhr mit dem Wirtschaftswunder fort und erschuf den Schein monetärer Stabilität, was angesichts des europäischen und darüber hinaus-Umfeldes nur um den Preis der Abschottung der deutschen Wirtschaft nach außen möglich war. Wiederbeschaffung und Aufrüstung Deutschlands zählten ebenso zu seinen Erfolgen, wobei der Autor ausdrücklich auf die Spezifik der Panzerdivisionen hinweist. Haffner zählt als die vielleicht größte Leistung von allen die Tatsache auf, daß es Hitler 1938 gelungen war, die große Mehrheit der Mehrheit, die 1933 noch gegen ihn gestimmt hatte, für sich zu gewinnen, konkret also nahezu das gesamte Volk innerhalb von zehn Jahren hinter sich zu vereinen.

Es mag schon sein, daß Hitler auch in diesem Fall seine berühmte Huckepack-Technik anwandte. Beispielsweise wurde die Frauenemanzipation, die vom Nationalsozialismus verbal abgelehnt wurde, durch ihn realiter geradezu sprunghaft weiterbefördert. Es mag schon sein, daß die Umwälzung der Sexualmoral früher angefangen hatte, aber im Hinblick auf erbgesunden Nachwuchs als gesunde Sinnlichkeit erfolgreich war. Und, Hitler setzte auch die Auflösung der Stände und die Auflockerung der Klassen insofern durch, daß zwar nicht eine klassenlose Gesellschaft angepeilt war, aber eine Volksgemeinschaft mit allen Kategorien von Klassenvermischung und Aufbrechung auch im Sinn der Egalisierung. Sozialisierung im Sinn der Menschen, wenn auch nicht der Marxschen Produktionsmittel war jedenfalls eine wichtige Kategorie von Hitlers Programm und dafür dankte ihm die Gesellschaft.

Nahezu niemand fand sich in der Isolation des Individuums, sondern alle waren aufgehoben in Gemeinschaften, nach Alter oder Neigungen gegliedert, nach Geschlechts-, Alter-, Berufs-, Hobby-, Sport- und Freizeitvereinigungen, jedenfalls nach Kollektiven, die man nicht einmal leben mußte, sofern man sich nur nach ihnen kleidete. Damit ist ein Schlüsselwort jener ästhetischen Dimensionierung angesprochen, in der sich grosso modo niemand fremd vorkam, sondern in denen sich jeder Zuhause fühlen konnte, sofern er nur die Erinnerungen an sein Zuhause zum Maßstab erhob. Hitlers Faszination der Massen und sogar der gebildeten, ja der intellektuellen bestand in seiner Fähigkeit, Ästhetisierungsmodelle für verschiedene Kategorien derart glaubhaft zu entwickeln, daß viele kaum den Unterschied zu ihren früheren Zugehörigkeiten wahrnahmen.

Seine im wesentlichen genaue Übernahme des katholischen Hierarchierituals, wenn auch mit umgekehrter Reihenfolge, was vermutlich aus der Zuhilfenahme militärischer Symbolik resultierte, konnte niemanden verstören, der seit Jahrhunderten an diese Regeln gewohnt war. Galten damals, wie auch heute noch in abgeschwächter Form im Ein- und Auszug zum Gottesdienst bestimmte hierarchisch gegliederte Abfolgen, bei denen zum Ende hin aufsteigend die höchste Instanz das Schlußlicht bildete, so drehte Hitler diesen Faktor quasi um, spiegelverkehrt, wenn man so will, und positionierte den Celebrans, also sich als aller militärischer Führer nach vorne und die anderen Würdenträger in genauer hierarchischer Konsequenz hinter sich. Dabei beließ er es bei den Analogien von Diakon, Subdiakon und Zeremoniär, ließ die Würdenträger absteigend folgen, deren Reihe am Schluß von Dienern gebildet wurde. Die Schrittfolge war zwar schneller als das Schreiten innerhalb des Gotteshauses, aber ebenso synchron, konsequent und dem Ereignis angemessen. Der Prozessionscharakter war durch Fahnen, Standartenträgern, Musikbataillonen gegeben wie der Schaucharakter zu beiden Seiten des Zugs durch die Menge. Dies war für viele eine vertraute, ästhetisch lang vorformulierte Anordnung, die statt eben dem Kaiser die Führerperson zum Celebrans erhob. Die monarchische Struktur, nebenbei bemerkt in vielem mit der römisch-katholischen eng verwandt, war nach wie vor, knapp 15 Jahre nach der Abdankung der Monarchie, allen vertraut und in ihrer zwischen Militär und Klerus angesiedelten Disziplin zweifellos auch beeindruckend. Es ist kein Zufall, daß Hitlers Geburtstagsumzug 1939 relativ eng den Kaiserumzug von 1908, der allerdings gegen dessen Willen geschehen war, simulierte.[43]

Dieses Ritualsyndrom bezog sich aber nicht nur auf dessen Bewegung also auf die Durchschreitung des Raumes mit einem bewußten Ziel, sondern auch auf die Kommunikationsstruktur, die während des Wegs durchaus ungeordnet sein konnte, strenge Regeln aber nach der Zielerreichung kannte.

Da gab es schon auch den knappen Huldigungsbedarf, in der Regel mit einer Handbewegung eingeschränkt, dann aber die Rede an die Masse, die, so wissen wir heute, sich von Hitlers normaler Sprechweise gewaltig unterschied. Dabei war nicht nur der neueste Stand der Technik vonnöten, sondern auch eine überprüfte Akustik, die es möglich machte, den gesamten Pegel von Stimmstärke auszuloten und jene wirkungsvollen Pausen geradezu länger erscheinen zu lassen, als sie der Nachhall nötigte.

Hitlers Rhetorik ist am gregorianischen Choral geschult, respektive an der katholischen Rhetorik, die er nur gegen die Grenzen dehnt, aber niemals in ihrer Grundkonzeption verläßt. Seine Reden sind aufgebaut wie Predigten und unterscheiden sich auch insofern von den Individualitäten anderer Politiker seiner Zeit, als er sie nahezu zwanghaft in der Sprachmelodie überholt, auch wenn er die Inhalte wechselt. Die Grenzgängerei dieser Rhetorik mag er ja dem expressionistischen Element des Schauspieler, respektive Sängers abgeschaut haben mit dem Wissen um die Emotionalisierung per einer emotional aussehenden Gefährdung des Gleichmaßes. In dieser Radikalität beweist Hitler seine Sensibilität in Richtung Theatralik, die damals längst noch nicht den Hof oder gar die Kirche erreicht hatte.

Hitlers Wissen um das Ritual fand auch in nahezu allen Parteiveranstaltungen das richtige Rahmenprogramm. Gelegentlich den rhetorischen Aufreißer à la Goebbels,[44] immer aber die passende Musik, allen vertraut und von allen geliebt: Wagner, Beethoven und das war es schon. Für die zu formulierenden Massen kannte er zwei Quellen, die er geschickt verknüpfte: immer noch Militär als nebenbei bemerkt nahezu unsichtbare Ordnungsmannschaft und das sozialistische Erhebungspotential in Gleichschaltung von Kleidung und Fahnenschmuck. Das Phänomen der unendlichen Fahnenkette, ein Modell, das tatsächlich die sozialistische Massendemonstration bestimmte, wird nahezu 1:1 übernommen und sofern es nötig ist, Ähnlichkeit durch Wiederauftritte, klug in Kreisbewegungen eingeschleust, zur Multiplikation der Masse erhoben. Zwar deuten die Standarten noch die individuelle Zugehörigkeit zu Gruppen an, simulieren als ob es so weiterginge, aber dann sind Fahnen viel mehr als zu Gruppen gehörige Signets eines Volkes, womit eine unzählbare Menge simuliert wird.[45]

Verständlicherweise brauchte Hitler als Zentrum dieser Massenveranstaltungen, die als Menetekel ebensolcher sichtbar waren, wenn sich auch niemand auf dem Platz befand, Riesenbauten, den Aspekt des Monumentalen in einer wilden Mischform der Vergrößerung von Klassizismus, gleichgültig ob antik, Renaissance oder klassizistisch bis in allen Neoformen durchgestylt. Die Vermutung, es sei der Einfluß von Architekten gewesen, verkehrt sich bei genauer Betrachtung ins genaue Gegenteil.[46]

Hitler ist der Architekt des Dritten Reiches, der seine Ideen, wie auch heute viele Stars aus der Szene, auf Servietten, Taschen, Papieren skizziert und aus seiner genauen Kenntnis der Funktionalität, wie er sie in Wien nebeneinander erfahren hatte, zu wechseln weiß zwischen endlosen Geraden und ungeheuren geschwungenen Spannungen. Die Eleganz der Interieurs hatte nichts mit den Größen zu tun, sondern war an die Größen angepaßt, allesamt Relikte aus dem 19. Jahrhundert, nebenbei bemerkt jene Kunst, die Hitler auch am besten kannte, weil er ihr auch in Wien, das das 18. Jahrhundert nahezu völlig ausgelöscht hatte, ununterbrochen begegnete und nur mehr die Dimensionen dehnen mußte, die er als Herausforderungen mit historischen Analogien sah. Dieses Dehnungsmoment bis zum Riesenhaften, ja den Menschen als Normgröße gar nicht mehr Beachteten, lag schon auch in der Zeit, wofür es gute Gründe gab, hatte aber seine Heimat in Hitlers Kinderleben in der Klosterarchitektur. Lange bevor er diese Vorstellungen baulich realisieren ließ, waren sie bei ihm schon zur Idee fix geworden in den schon angesprochenen Größenverhältnissen der Malereien, aber auch in seinen jugendlichen Versuchen in Linz, wo er Theaterbauten, Prunkvillen und Brücken entworfen hatte, alles überdimensional im Verhältnis zur Provinzstadt, später auch noch für Linz überdimensional im Verhältnis zu den Weltstädten. Denn ausgerechnet in Linz als der sentimentalisch gewählten deutschen Kulturhauptstadt, sollte eine Gauhalle für 35.000 Besucher, ein 186 m hohes Bruckner-Denkmal, eine Krypta für seine Eltern, jenes deutsche Nationalmuseum entstehen, dessen Detailplan sich nahezu schon auf Bild für Bild bezog. Lange vor den realen Bauten ist die Vorstellung von einer Kuppel über einen Bau von 220 m Höhe, dessen Innenraum 250 m im Durchmesser bis 180.000 stehenden Menschen Platz bieten sollten, worin exakt 17mal der Petersdom zu multiplizieren wäre. Daneben das 200 m hohe obeliskartig gestaltete Siegesdenkmal für München oder auch jenes Stadion für 400.000 Zuschauer, wo auf den höheren Bühnenrängen Spezialbrillen ausgegeben werden sollten, um die Darbietungen überhaupt verfolgen zu können. Die Größe, die Ausdehnung und der Stil waren unzweifelhaft Hitlers Sprache, wenn auch von Architekten und Ingenieuren wie Toost oder Speer dann baulich umgesetzt und damit diese Architekten dann nicht zu übermütig wurden, ließ er den Speer-Rivalen Hermann Giesler die Ordensburg in Sonnhofen errichten, die hohe Schule der NSDAP am Chiemsee vorbereiten, andere ein „Nationalhaus der deutschen Arbeit“ von 370 m Länge und 150 m Tiefe in Köln planen oder eine neue Oper für 5.000 Besucher ins Auge fassen. Augsburg, Weimar und Linz, Kassel und schließlich Berlin waren die Probestationen für die Riesenwelt, die Hitler aber nicht massig oder klobig haben wollte, sondern raffiniert, feinfühlig und graziös, eine Theaterwelt, wie er sie an der Aura der Ringstraße, den Rollerschen Bühnenbildern klug gelernt hatte. Größe und Erhabenheit sollten immer noch künstlerisch sein, im Sinn des 19. Jahrhundert durchformuliert, menschenadäquat im Sinn von nach dem Menschenbild modelliert, nicht nur aufgeblasen, was ihm primitiv erschienen wäre. Gerade weil der Nationalsozialismus keine eigene Kunst hervorbrachte, sondern nur mit dem Bewährten der Tradition argumentieren konnte, mußte Vergröberung ausgespart bleiben, sondern so tun, als wäre die Größe normal, eben nur der Spiegel eines größeren Reiches, erhaben, aber nicht erhoben, überdimensional, aber nicht überproportional. Alles Sichtbare mußte seine Wirkung haben. Und alle, ob Architektur, Skulptur, Bild und alle anderen Genres der visuellen Kunstmedien hatten die Symbolik auf ihrer Außenhaut zu tragen. Es lohnt sich schon jene Umschreibungen zu überprüfen, die beispielsweise an Arnold Brekers Spiegelplastik von „Partei“ und „Wehrmacht“, die 1939 im Ehrenhof der neuen Reichskanzlei aufgestellt worden waren, festgemacht wurden.[47] Und man wird selbst bei kritischster Betrachtungsweise nicht umhin können, die Identität der ästhetischen Formulierung mit den artistischen Zielvorstellungen von Partei und Wehrmacht ohne wenn und aber korrelieren zu müssen. Hitlers Kraft zu verlangen, daß jedwede ästhetische Äußerung in den Dienst der Sache gestellt würde, ja als Symbol der Programmatik dienen konnte, wurde von den willfährigen Künstlern der Zeit, und auch jenen, die nicht auf ihre Vereinnahmung achteten, entsprochen. Sein Gestaltungswille aber zwang auch vorhandene ästhetische Monumente, die möglicherweise ganz anderen Zwecken gedient haben, durch die Einfügung weniger Versatzstücke umzufunktionieren, sie jedenfalls der gewünschten Funktion zu unterwerfen.

Nach wie vor treffendstes Beispiel ist die Veränderung des Heldenplatzes 1938 beim Einmarsch in Wien, ein Platz, dessen inhaltliche Dimension von den zwei Reiterstatuen geprägt ist, die nahezu nicht dementierbar sind. Meines Wissens gelang dies nur zweimal in der Geschichte dieses Platzes überhaupt. Einmal als das Lichtermeer im Dunkeln den Platz zu einer unübersehbaren Fläche brennender Lichter elevierte, hinter denen man Menschen vermuten mußte, aber sie ebensowenig sah wie die Reiterstatuen. Das andere Mal als 1938 am hellichten Tag Menschentrauben auf die Plastiken kletterten und Menschenleiber die fremden und fremdbestimmten Formen soweit verhüllten, daß sich die Menschenleiber als osmotische Wellenbewegung vor einem abgelauschten Text anboten. Hitler wußte um die Leistung von Versatzstücken und Materialien, die er wiederum auf der Bühne und am Bühnenbild studiert hatte, so genau sogar, daß sich gestandene Bühnenbildner wunderten.[48] Was er aber über Theatertechniken kannte, projizierte er in seiner Vorstellung nun zur Technik am Menschen.

Design war das große Stichwort dieser technischen Veränderungen des Menschen, was die Bühnen, die Auftritte, die Mode, die Kleidung, die Gestaltung, die Uniformen, die Kleinlichkeiten von Spangen und Orden, von Kreuzen und Medaillen, letztlich von allem betraf, was die menschliche Figur in seiner Körperkontur veränderte.[49] Und wenn diese Konturen fehlten, der Mensch also nackt war, dann hatte er analog dem antiken Vorbild auszustrahlen: den Geist des Systems und die Funktion für die Gesellschaft, gleichgültig ob es um die Sportidole oder die Schamhaarpinselei des Adolf Ziegler, Ivo Saligers oder Ernst Liebermanns ging. Hier nahm Hitler in der ihm eigenen Sensitivität darauf Rücksicht, daß es kaum möglich war, das Frauenbild nur zu einer Funktion gemäß der Ideologie zu verpflichten, sondern, daß ein Teil der erreichten Zweckfreiheit auch als Stimulus für sexuelle Phantasien anzusprechen war, die man ohne größere Verluste an die Konsumentensouveränität des künstlerisch im 19. Jahrhundert steckenden Publikumsgeschmacks freigeben konnte. Wichtig waren nur die Eindeutigkeiten, um Leid, Erniedrigung oder auch spezifischer Nur-Sexualität fernzuhalten, die sich selbst gegen den Beschauerwillen durchgesetzt hätten, wie sie der Expressionismus beispielhaft vorführte. Die Verfügbarkeit über den weiblichen Körper, noch dazu wo er so schön ruhig hielt, war Zugabe an die Männerphantasien, Freigabe an ihre Individualvorstellungen, die sie – so das schlaue Kalkül – gemeinschaftlich ohnehin nicht äußern konnten.

Prägung war jedenfalls ein Schlüsselwort für Hitlers Bestreben, zuerst das Reich und dann die ganze Welt sich und seinen kruden Ideen zu unterwerfen. Daß er selbst im Angesicht der Niederlage und damit der Dementierung seines Bestrebens und in Konsequenz auch seines Lebens, selbst knapp vor dem Ende nicht aufhörte, bezeugt der Umgang mit St. Florian[50]. Am 16. Dezember 1944 ließ er den Rundfunkreichsintendanten Glasmeier, der erst im November 1944 zur SS an die ungarische Front eingerückt war, zurückberufen, um St. Florian zu gestalten. Es sollte nicht nur Weihestätte für das unsterbliche Werk Bruckners sein, es sollten dort nicht nur Bruckner-Festspiele à la Bayreuth aufgezogen werden, nicht nur ein musisches Gymnasium als oberste Ausbildungsstätte, sondern auch das Bruckner Orchester St. Florian sollte zum „besten Orchester“ des Führers aufsteigen mit einem eigenen Sender für ernste Musik – und um die Nahverbindung zum europäischen Kulturzentrum Linz, was nach dem Krieg in Erwartung gewaltiger Kriegsgewinne künstlich aus dem Boden gestampft werden sollte, herzustellen. Nun schließt sich der Kreis zu Hitlers Jugend oder auch was Sebastian Haffner an den Anfang von dem stellte, was an Hitlers Leben wirklich der Betrachtung wert ist: „Es gibt bei Hitler keine Entwicklung und Reifung seines Charakters und seiner persönlichen Substanz. Sein Charakter ist früh festgelegt – ein besseres Wort wäre vielleicht: arretiert – und bleibt sich auf eine erstaunliche Weise immer gleich; nichts kommt hinzu.“[51]

Dieser Charakter war auf prägende Gestaltung ausgelegt, und ein Teil davon war jenes Vertrauen in die Kraft der ästhetischen Prägung, die ihn selbst in seinen Jugend- und Wiener Jahren so entscheidend geformt hatten. Den Entschluß Politiker zu werden, konnte er fast zwingend nur in den Wirren der Revolution von 1918 fällen. Der Entschluß Gestalter zu werden, war weit früher gefallen, und ermöglichte ihm, der selbst also mit eigenen Händen ästhetisch nichts formen konnte (oder darin schnell scheiterte), aufgrund seiner diesbezüglichen Begabung, die Ästhetisierung der Politik so weit durchzuziehen, wie es vor ihm und derart erfolgreich kein Politiker und kein politisches System geschafft hatte.
 


Anmerkungen

  1  1907-1913, also von Hitlers 18. bis 24. Lebensjahr.

  2  Meiner Meinung nach ist der Ansatz der deutschnationalen Idee, der die Identität aus der „Kultur einer Volksgemeinschaft“ bestimmte, spätestens ab der Zeit des Wiener Kongresses permanent an Zustimmung gewinnend unterwegs.

  3  Fest, Joachim. 1973. Hitler – eine Biographie. Frankfurt/Berlin/Wien: Ullstein Verlag, 29f

  4  Hitler, Adolf. 1930. Mein Kampf. Einbändige Volksausgabe. Berlin

  5  Frank, Karl. 1933. Adolf Hitler, in: Ahnentafeln berühmter Deutscher. Neue Folge. Leipzig
Koppensteiner, Rudolf. 1937. Die Ahnentafeln des Führers, in: Ahnentafeln berühmter Deutscher. Leipzig
Frank, Hans. 1953. Im Angesicht des Galgens. München, 330

  6  Die übrig gebliebenen Quellen sind von Brigitte Hamann sowohl was ihren Aufenthaltsort betrifft als auch inhaltlich gut zusammengefaßt worden.

  7  Hamann, Brigitte. 1996. Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. München: Piper, 64-86

  8  Kubizek, August. 1953. Adolf Hitler – Mein Jugendfreund. Graz

  9  Jetzinger, Franz. 1956. Hitlers Jugend. Wien. Vergleiche insbesondere Hamann, Brigitte. Hitlers Wien, Exkurs: „Kubizek und Jetzinger als Quellen“, 77-86

10  Hamann, Brigitte. 1996. a.a.O., 85-86

11  Fest, Joachim. 1973. a.a.O., 34

12  Welche Bedeutung die tägliche Wahrnehmung von übermächtigen Türmen auf ästhetisch sensible Menschen haben kann, habe ich in meiner Roller-Studie ausführlich nachgewiesen. Vergleiche Wagner, Manfred. 1996 Alfred Roller in seiner Zeit. Salzburg: Residenz

13  Toland, John. 1976. Adolf Hitler. New York: Doubleday, 24

14  Hitler, Adolf. 1930. a.a.O.

15  Der Mundartspezialist Eberhard Kranzmayer der Universität Wien, den ich noch einen meiner maßgeblichen Lehrer nennen durfte, konnte noch in den 60er Jahren jeden Österreicher nahezu 10 km genau auf seine Herkunft eingrenzen. Er führte dies mit sichtlichem Vergnügen an den Studenten im Verlauf der Prüfungen vor.

16  Wagner, Manfred. 1988. Manche unserer Symbolismen pflasterten den Weg. Diskurs übers Hitlers ästhetische Sozialisation, in: Zeitgeist wider den Zeitgeist. Eine Sequenz aus Österreichs Verirrung. Ausstellungskatalog. Wien 21. Jänner bis 13. März 1988. Hrsg. von der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, 55

17  Hitler, Adolf. 1930. a.a.O.

18  Im Theater ist der Ausdruck Ministrantenästhetik durchaus geläufig.

19  Jedem, der Hitlers Bilder mit Häusern und Menschen anschaut, fällt die Unproportionalität der Größenverhältnisse ins Auge. Meine Vermutung ist, daß sich diese Disproportionalität exakt auf das Verhältnis der Größe eines kleinen 8jährigen Jungen zur Innenhöhe der Lambacher Stiftskirche herausgebildet hat, und damit die dort empfundenen Prägungen tatäschlich auch als psychologische im Wortsinn verstanden werden können.

20  Carmin, E.R. 1985. „Guru“ Hitler. Zürich: Schweizer Verlagshaus, 114-118

21  Wurzbach, Constantin von. Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Von 1856-1891. Wien

22  Hitler, Adolf. 1930. a.a.O., 3f

23  Jetzinger, Franz. 1956. a.a.O., 92

24  Schmidl, Erwin A. 1980. Österreicher im Burenkrieg. masch. Diss. Wien, 117f.

25  Zitiert nach Hamann, Brigitte. 1996. a.a.O.

26  Wiener Sonn- und Montagszeitung vom 18.09.1933

27  Kandl, Eleonore. 1963. Hitlers Österreichbild. masch. Diss. Wien. XXXIX., Aussage Commenda

28  Vergleiche insbesondere das Kapitel „Politik in der Schule“, in: Hamann, Brigitte. Hitlers Wien. a.a. O., 23f.

29  Kandl, Eleonore. 1963. a.a.O., XXIIIf, Aussage Ing. Josef Keplinger

30  Hitler, Adolf. 1930. a.a.O.

31  Slabnicka, Harry. Linz, 1977. Oberösterreich und die Tschechische Frage, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1977, 209f

32  „Da kam mir plötzlich eine Krankheit zuhilfe und entschied in wenigen Wochen über meine Zukunft und die dauernde Streitfrage des väterlichen Hauses. Mein schweres Lungenleiden ließ einen Arzt der Mutter auf das Dringendste anraten, mich später einmal unter keinen Umständen auf ein Bureau zu geben. Der Besuch der Realschule mußte ebenso auf mindestens ein Jahr eingestellt werden. Was ich solange im stillen ersehnt, für was ich immer gestritten hatte, war nun durch dieses Ereignis mit einem Male fast von selber zur Wirklichkeit geworden“, schreibt Hitler in „Mein Kampf“, 15f. Vergleiche auch Bloch, Eduard. 1941. My Patient Hitler. Collier’s vom 15. 3. 1941. Sowie Smith, Bradley F. 1967. Adolf Hitler. His Family, Childhood and Youth. Stanford, 97f.

33  Hitler, Adolf. 1930. a.a.O., 16 u. 20

34  Wagner, Manfred. 1997. Kitsch und Kunst, in: Programmheft der Wiener Staatsoper zu Richard Wagners „Rienzi, der Letzte der Tribunen“, Spielzeit 1997/98, 47-54

35  Zitiert nach Hamann, Brigitte. 1996. a.a.O., 40-42

36  Aus nahezu 30jähriger Erfahrung an der jetzigen Universität für angewandte Kunst, die in ihrem Aufnahmeverfahren durchaus analog der Akademie der bildenden Künste reagiert, ist die punktuelle Aufnahmsprüfung problematisch. Dies gilt nicht für die extreme Hochbegabung und Minimalbegabung wohl aber für den in der Regel sehr breiten Durchschnitt, wo oft Entscheidungen gemäß der Klassenzahl, der Sympathie auch der Protektion oder anderer Imponderabilien fallen. Eine Studie über die Absolventen der beiden Kunstausbildungsstätten zwischen 1919 und 1979 ergab ganz ähnliche Befunde. Vergleiche Eisler/Secky/Sterk/Wagner. 1979. Die unbekannte Sammlung. Bundesministerium für Unterricht und Kunst. Wien

37  Tatsächlich ist die Aufgabe eines Feldherren, noch dazu in dem neu entwickelten System der Panzerschlachten, sich gleichzeitig Grund- und Aufriß vorstellen zu können, also eine Art architektonische Begabung zu besitzen. Möglicherweise ist daraus der Umstand erklärbar, daß Hitler, der selbst überhaupt keine militärstrategischen Erfahrungen hatte, entgegen dem Rat seiner Generäle eine Reihe von Schlachten gewinnen konnte, die jene für nicht gewinnbar ansahen.

38  Wagner, Manfred. 1986. Schönbergs Krise um 1911 als Symptom der österreichischen Kulturgeschichte. In: Stephan, Rudolf/Wiesmann, Sigrid (Hrg.). Die Wiener Schule in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Kongreßbericht der internationalen Schönberg-Gesellschaft. Wien, 155f

39  Wagner, Manfred. 1996. Alfred Roller. a.a.O., 71-185

40  Janz, Rolf-Peter (Hg.). 2001. Faszination und Schrecken des Fremden. Frankfurt/Main: Edition Suhrkamp

41  Wagner, Manfred. 1997. Anton Hanak. Zur Migration aus Böhmischen und Mährischen Landen nach Wien, in: Friedrich Grassegger/Wolfgang Krug (Hrg.). Anton Hanak. 1875-1934. Wien: Böhlau Verlag, 19-37

42  Haffner, Sebastian. 1978. Anmerkungen zu Hitler. München: Kindler, 31

43  Kershaw, Ian. 2002. Der Hitler-Mythos. Stuttgart: Deutscher Taschenbuchverlag, 173-175

44  Heiber, Helmut (Hg.). 1972. Goebbels Reden. Zwei Bände. Düsseldorf

45  Inszenierung der Macht. Ästhetische Faszination im Faschismus. Hrsg. von der NGBK 1987. Berlin: Dirk Nishen Verlag Kreuzberg

46  Speer, Albert. 1969. Erinnerungen. Frankfurt/Main

47  Wagner, Frank/Linke, Gudrun. 1987. Mächtige Körper, in: Inszenierung der Macht. a.a.O., 64-79

48  Zoller, Albert. 1949. Hitler privat. Düsseldorf, 5-7

49  Wagner, Manfred. 1987. Schmuck ist Veränderung der Körperkontur. Zum Integral Magie/Funktion/Kommunikation, in: Linzer Institut für Gestaltung (Hg.). Schmuck – Zeichen am Körper. Wien, 11f

50  Kreczi, Hanns. 1986. Das Bruckner-Stift St. Florian und das Linzer Reichs-Bruckner-Orchester (1942-1945). Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt

51  Haffner, Sebastian. 1978. a.a.O., 12
 


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Created: 28 May 2002; Last Update: 2005-02-17