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Heuer wurde bei der Würdigung herausragender Designleistungen
ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt. Peter Kuschnigg erhielt den Österreichischen
Staatspreis für Design für die Entwicklung einer Handprothese
für Otto Bock. Ein guter Anlass sich mit einem Designfeld
zu beschäftigen, wo der Mensch in all seiner Differenziertheit
und Bedürfnissen im Fokus steht.
Das meiste Design ist zwar sichtbar, wir nehmen es in seiner Unaufgeregtheit
jedoch kaum wahr. Alltäglichen Dingen wird nicht viel Bedeutung
zugemessen, obwohl alles vom Menschen Geschaffene mehr oder weniger
bewusst gestaltet worden ist. Design hat zur Entwicklung unserer
Zivilisation einen wesentlichen Beitrag geleistet und wird zunehmend
mehr dazu beitragen.
Wir reden hier aber nicht so sehr vom Authorendesign der Hochglanzmagazine
und Designshops, wie vielmehr von oft unspektakulären Dingen,
Räumen, Zeichen und Systemen. Wer meint, dass heute ein einfacher
Kartoffelschäler oder Billigkugelschreiber nicht von jemanden
oder - wie es de facto wirklich geschieht – innerhalb eines
Netzwerkes von Fachleuten gestaltet wurde, und von einer Serie
von Entscheidungen abhängig ist, irrt.
Anwender orientiertes Design, (wobei im englischsprachigen Raum der Begriff „social design“ die Bezeichnung „user oriented design“ gelegentlich ersetzt) ist ein äußerst komplexer Prozess bestimmt von Nutzerbedürfnissen, Wirtschaftlichkeit, Technologie und Nachhaltigkeit (inklusive aller ethischen Fragen wie Produktions- und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen). Unsere zukünftigen Produkte, seien sie gegenständlich, bildhaft, virtuell oder system bezogene Leistungen, sollten unter diesen Gesichtspunkten geplant und gestaltet werden müssen, um ihr Dasein zu berechtigen. Social Design hat vor allem eine Aufgabe, nämlich umsichtig und gewissenhaft zu gestalten. So gesehen ergibt sich die Chance die Funktion einer manchmal missverstandenen wirtschaftlichen Ausrichtung von Design im Sinne eines ausschließlichen Marketinginstrumentariums in einer breiteren Perspektive zu sehen. Design kann so ein Bestandteil unser Aller Lebensqualität werden, man denke dabei nur an die Notwendigkeit, die schlechte Bedienbarkeit der Fahrkartenautomaten der Bundesbahn zu überdenken, die nicht nur bei älteren Semestern den Blutdruck zum steigen bringt. Stichwort: 50plus; Designer befinden sich da vor der Herausforderung, Lösungen für eine wachsende Zielgruppe zu finden angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen und einer zunehmend sich verlangsamenden Wahrnehmung im Alter.
Als ein in Österreich tätiger Designer denkt man bei Social Design sofort an Victor Papenek und seinem legendären Ausspruch „All men are designers“ wenn man einen der international bedeutendsten Proponenten dieser Designrichtung nennen möchte. Heute versuchen vor allem Bruce Mau mit seinem „Intitute without boundries“ in Toronto und John Thakara, langjähriger Leiter des niederländischen Designinstitutes (und Veranstalter der bereits legendären „Doors of Perception“ Konferenzen), die globale Bedeutung von menschlicher Gestaltungsleistung und unsere damit verbundene Verantwortung in allen gesellschaftlichen Feldern zu vermitteln.
Yvon Chouinard, Gründer des Sportbekleidungsunternehmens „Patagonia“ sollte
jedoch in diesen Zusammenhang besonders hervorgehoben werden. Sie stellten
u.a. als erstes Unternehmen Fleece Jacken aus PET Flaschen her. Als
eines der erfolgreichsten Unternehmen der USA der späten 90er
Jahre investiert Patagonia 30% des Jahreseinkommens für Umweltaktivitäten
und sieht es als Teil der Unternehmenskultur Kaution für Angestellte
zu hinterlegen, die wegen passiven Widerstands verhaftet werden („Vanity
Fair“ Mai 2006. „The Trailblazer“).
.Jedoch eher unbekannt ist die Tatsache, dass Chouinard schon immer ein
in seinen persönlichen Ansprüchen sehr bescheidenes und in
allen seinen Tätigkeiten als Surfer, Bergsteiger, Buchauthor und
Unternehmer schöpferisches Leben geführt hat, sei es als
Pionier der Clean Climbing Bewegung, einer ökologisch- kreativen
Spielform des Alpinismus, wo das „Bezwingen“ des Berges
in Frage gestellt wurde, oder bei der Entwicklung von innovativer Kletter
Hardwear (Pickel, Klemmkeile, Steigeisen), die vor allem auch durch
ihre Schönheit bestechen. „Unter Produktqualität verstehen
wir Langlebigkeit, minimale Verwendung von natürlichen Ressourcen
(inkl. Material, Energie und Transport), Multifunktionalität,
Zeitlosigkeit im Aussehen und die Freude, wenn das etwas ausgezeichnet
seine Aufgabe erfüllt“ (Mission Statement Patagonia).
Design drückt sich bei ihm in einer ganzheitlichen gestalterischen
Haltung aus. (Siehe. „Let my People go Surfing, The Education
of a Reluctant Businessman).
Design so gesehen ist mehr als nur die gegenständliche Form. Es ist ein steter Prozess der Veränderung. Ein Denk- und Handlungsprozess, den wir täglich durchführen. Warum sollten wir ihn daher nicht bewusster für die Fragestellungen unseres Lebens einsetzen? Nämlich den Designprozess als analytisch-schöpferische Problemlösungskonzept in der Schule zu vermitteln, mit dem Ziel zukünftige mündige Konsumenten und kritische Bürger heranzubilden, die in der Lage sind ihren eigenen Lebensraum umsichtig, verantwortungsvoll und neu zu gestalten.
Denn nur wer selbst einmal etwas gestaltet oder herstellt hat, anstatt zu konsumieren, kann den Wert eines Produktes verstehen.
James Skone